40 Jahre nach der Wahl St. Pöltens zur Landeshauptstadt untersuchen die beiden Museen gemeinsam, wie sich Stadt und Land seitdem verändert haben. Die Ausstellung führt an zehn zentrale Orte in der Stadt, wobei Start- und Endpunkt die beiden Museen bilden. Jede Station stellt einen Lebensbereich in den Mittelpunkt. Zeitgenössische Bilder veranschaulichen den Wandel in Stadt und Land.
STATIONEN:
- 1 Stadtmuseum St. Pölten, Prandtauerstraße 2
- 2 Rathausplatz, bei der Dreifaltigkeitssäule
- 3 Bahnhof, Bahnhofsplatz, bei Kremser Gasse 26
- 4 Universitätsklinikum, gegenüber Probst Führer-Straße 23, links vom Zugang
- 5 University of Applied Sciences, Matthias Corvinus-Straße/Campusweg 1
- 6 Domplatz, Ecke Brunnenhof
- 7 Alumnatsgarten, gegenüber Fuhrmannsgasse 24
- 8 Ehemalige Synagoge, vor dem Haus Dr.-Karl-Renner-Promenade 33
- 9 Altoonapark, beim Parkzugang von der Ausstellungsstraße
- 10 Tor zum Landhaus, Neue Herrenhasse, vor dem Tor zum Landhaus
- 11 Klangturm, Neue Herrengasse/Millenniumsstraße, im parkfreien Bereich
- 12 Museum Niederösterreich, Kulturbezirk 5
St. Pölten wird Landeshauptstadt
Bis 1918 war Wien Hauptstadt des Kronlandes Niederösterreich. Mit der Trennung Wiens und Niederösterreichs 1922 ging diese verloren. Aus finanziellen Gründen verzichtete man zunächst auf eine eigene Landeshauptstadt.
Der Sitz der Landesregierung verblieb im Landhaus in der Wiener Herrengasse. Zwar gab es nach 1955 wiederholt Vorstöße zu einer Hauptstadtlösung, aber keine Einigung. Fachleute der Raumplanung empfahlen eine eigene Hauptstadt und bevorzugten St. Pölten – um die Landesmitte aufzuwerten und die in Wien auf 14 Standorte verteilte Landesverwaltung in einem eigenen Regierungsbezirk zu vereinen.
Anfang der 1980er-Jahre belebte Landeshauptmann Siegfried Ludwig die Diskussion neu. Einer Einigung zwischen ÖVP und SPÖ folgte am 1. und 2. März 1986 eine Volksbefragung: „Landeshauptstadt – ja oder nein?“ 56 Prozent sprachen sich dafür aus, 45 Prozent wählten St. Pölten, 29 Prozent Krems an der Donau. Am 10. Juli 1986 beschloss der Landtag schließlich, St. Pölten zur Landeshauptstadt zu erheben.
Das neue politische Zentrum sollte am linken Traisenufer entstehen, wo sich damals Schrebergärten und eine Trabrennbahn befanden. Ernst Hoffmann gewann einen internationalen Architekturwettbewerb zur Errichtung eines modernen Regierungsviertels, das Landtag, Verwaltung und öffentliche Räume umfasst.
1992 wurde der Spatenstich gefeiert, 1997 übersiedelten Landesregierung und Landtag nach St. Pölten.
Station 1: Stadtmuseum St. Pölten „Gut geplant in die Zukunft“
Das Stadtmuseum St. Pölten blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Ursprünglich im Rathaus untergebracht, fand es nach mehrmaligen Umzügen 1976 seinen heutigen Standort im Karmeliterhof. Es beherbergt eine archäologische und stadtgeschichtliche Sammlung sowie eine Jugendstil-Abteilung. Im Erdgeschoß des Museums beginnt die Ausstellung „Stadt + Land = 40“. Hier wird der Fokus auf die Entstehung des neuen Regierungsviertels am Traisenufer in den 1990er-Jahren gerichtet.
Station 2: Rathausplatz „Auf ein Achterl“
Der Rathausplatz ist mit 6.600 Quadratmetern Fläche der größte Platz St. Pöltens und schon seit der römischen Zeit ein zentraler Treffpunkt. Heute kommen hier Menschen in Cafés, im Programmkino, im Landestheater und bei zahlreichen Veranstaltungen zusammen. An diesem Ort werfen wir einen Blick darauf, wie sich Stadt- und Dorfkerne in Niederösterreich in den vergangenen 40 Jahren verändert haben.
Station 3: Bahnhofsplatz „Zug um Zug“
Der St. Pöltner Bahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt im ostösterreichischen Verkehrsnetz. Dank seiner Lage an der Westbahnstrecke halten hier fast alle Fern- und Regionalzüge. Während die Fahrt nach Wien in den 1980er-Jahren noch mindestens 45 Minuten dauerte, verkürzen moderne Züge und eine neue Streckenführung die Reisezeit heute auf 21 Minuten. An dieser Station lässt sich entdecken, wie sich Verkehr und Mobilität in Stadt und Land entwickelt haben.
Station 4: Universitätsklinikum St. Pölten „Gesundheit!“
Wo sich vor 40 Jahren ein Parkplatz befand, steht heute das „Haus D“ des Universitätsklinikums St. Pölten, eines der größten und modernsten Spitäler Niederösterreichs. Wir blicken hier auf Veränderungen im Gesundheitswesen und die aktuellen Herausforderungen für Stadt und Land.
Station 5: University of Applied Sciences St. Pölten „G’lernt is g’lernt“
In den 1980er-Jahren war St. Pölten vor allem als Schulstandort bedeutend. Heute zieht ein vielseitiges Bildungsangebot junge Menschen aus dem gesamten Umland an. Die heutige University of Applied Sciences St. Pölten (USTP) hat 2007 den neu errichteten Campus in der Matthias-Corvinus-Straße bezogen. Dieses Kapitel zeigt, wie Bildung zu einem entscheidenden Faktor für die regionale Entwicklung wurde.
Station 6: Domplatz „Wissen S’ eh?“
1986 war der Domplatz vor allem ein Parkplatz. Archäologische Grabungen förderten ab 2010 eine Fülle von überraschenden Funden zutage. Das neu gestaltete Museum am Dom, die Stadtbibliothek und die nahe gelegene Kirchliche Pädagogische Hochschule werten den Platz zusätzlich auf. Kaum ein Ort eignet sich besser dafür, die Entwicklung von Wissenschaft und Forschung in Stadt und Land nachzuzeichnen.
Station 7: Alumnatsgarten „Ab ins Grüne!“
Der Alumnatsgarten blickt auf eine mehr als 500-jährige Geschichte zurück, lange Zeit wurde er als Parkplatz genutzt. 2024 wurde er neugestaltet und für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Alumnatsgarten ist Ausgangspunkt für die Frage: Wie haben sich Grün- und Erholungsräume in Stadt und Land in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Station 8: Dr.-Karl-Renner-Promenade „Nicht vergessen“
Die Synagoge von St. Pölten wurde 1913 eingeweiht und 1938 verwüstet; die Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden vertrieben, viele ermordet. 1980 begann die Instandsetzung des Gebäudes – ein erstes sichtbares Zeichen einer neuen Gedenk- und Erinnerungskultur, die in Stadt und Land von öffentlichen und privaten Initiativen getragen wurde. Hier kann man mehr darüber erfahren!
Station 9: Altoonapark „Zusammenleben“
Im Altoonapark – benannt nach St. Pöltens Partnerstadt Altoona in Pennsylvania, USA – wurde 2024 das KinderKunstLabor errichtet, ein Ort für Kunst und Begegnung zwischen zeitgenössischen Kunstschaffenden und Kindern. Die Station „Zusammenleben“ gibt Einblicke, wie sich die Gesellschaft von St. Pölten und jene von Niederösterreich in den vergangenen vier Jahrzehnten verändert hat.
Station 10: Tor zum Landhaus „Zahlt sich aus!“
Vor 40 Jahren lagen am Traisenufer noch Schrebergärten und eine Trabrennbahn. Heute befindet sich hier das Regierungsviertel mit dem Landtagsgebäude und den Amtshäusern der Niederösterreichischen Landesregierung, in denen rund 3.700 Menschen arbeiten. Dieses Ausstellungskapitel beleuchtet, wie sich Wirtschaft, Arbeitsplätze und Lebenswelten in Stadt und Land gewandelt haben.
Station 11: Klangturm „Bühne frei!“
Mit dem Klangturm schuf Ernst Hoffmann, der Architekt des Regierungsviertels, ein neues Wahrzeichen der Stadt. Er steht für die facettenreiche Kultur- und Musikszene St. Pöltens, die sich in den vergangenen 40 Jahren beständig weiterentwickelt hat.
Station 12: Museum Niederösterreich „Stadt gestalten“
Im Zuge der Errichtung des Regierungsviertels wurde 2002 auch das Landesmuseum Niederösterreich von Wien in den neu entstandenen Kulturbezirk St. Pöltens verlegt. Heute beherbergt es das Haus der Geschichte und das Haus für Natur. Hier, im Museum Niederösterreich, endet die Ausstellung: Anhand eines großen Stadtmodells wird ein Blick auf die Entwicklung St. Pöltens in den vergangenen vier Jahrzehnten geworfen.
STADT + LAND = 40
Eine Ausstellung in zwölf Stationen
(Laufzeit: 20. Mai bis 1. November 2026)