Die Fakten zum Wohnbau in St. Pölten lieferte Alexander Bosak, Gründer der österreichischen Immobiliendatenbank Exploreal: Wohnen in St. Pölten ist günstiger als in jeder anderen österreichischen Landeshauptstadt, aber auch günstiger als zum Beispiel in Wiener Neustadt, Tulln und im Speckgürtel rund um Wien. Aber: "Im vergangenen Jahr gab es einen signifikanten Rückgang der Fertigstellungen auf nur 86 Wohneinheiten", bestätigt Bosak.
Geringes Angebot — teurer Wohnraum
Dieser Trend beeinflusst den Wirtschaftsstandort St. Pölten: Je geringer das Angebot, desto teurer wird Wohnraum. Und: Investitionen und Standortentscheidungen von ansiedlungswilligen Unternehmen sind eng mit einer funktionierenden Wohnbaupolitik verknüpft, die Betriebe benötigen auch leistbaren und verfügbaren Wohnraum für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Viele Bauprojekte sind in der Pipeline", weiß Alexander Bosak. Und: "2026 sollen 330 Einheiten fertiggestellt werden." Allerdings hauptsächlich geförderte Mietwohnungen. "Der Anteil der Eigentumswohnungen beträgt nur 3 Prozent."
Preise sind nicht marktgerecht
Mit den günstigen Preisen kann sich St. Pölten von Wien abheben, ist Alexander Bosak überzeugt. Und beweist das mit Zahlen: 35 Prozent der Zuzügler, die eine Wohnung kaufen, kommen aus einem anderen Bundesland, hauptsächlich aus Wien. Dort kostet eine Eigentumswohnung fast das Doppelte. Aber: Für Investoren sind die Preise nicht marktgerecht, sagt Sparkassen-Vorstand Peter Hronek.
Forderung für Förderung
Apropos Eigentum und Banken: "Man muss die Leute davon überzeugen, dass Eigentum besser als Miete ist", meint Bettina Sax, Vorständin der Sparkasse NÖ — obwohl die Finanzierung schwierig ist: "Förderungen für Eigentum sind gefragt." Gefragt sind auch größere Wohnungen, vor allem in der Altersgruppe der 30-40jährigen, die sich vor allem in St. Pölten ansiedeln.
Keine Angst vorm Wachstum
Und sie alle sind zufrieden mit ihrer neuen Stadt, freut sich Bürgermeister Matthias Stadler, der überzeugt ist: "Keine Angst vorm Wachstum." Das waren in den letzten Jahren 1,3 Prozent pro Jahr. Was die Lebens- und Wohnqualität in St. Pölten nicht mindert. "Nur 16 Prozent von St. Pöltens Fläche sind dichter verbaut. Wir haben 70 Prozent Grünland." Allerdings: "Bei uns klopfen viele Firmen an, denen wir keine Grundstücke in der richtigen Größe anbieten können. Wir brauchen Änderungen in der Raumordnung, dass wir uns da bewegen können."
Einschränkungen für eine positive Entwicklung
Am Bewegen hindern Verordnungen und Gesetze. "Alle Städte dürfen zwei Fußballfelder als Bauland widmen. Die 60.000-Einwohner-Stadt St. Pölten genau so wie jedes 1.000-Einwohner-Dorf in Niederösterreichs", bringt stp*Plattform-Obmann Dominik Mesner eine Einschränkung auf den Punkt. Oder: "Wir wollen in die Höhe bauen – da bleibt Grün erhalten", sagt Fritz Kittel, Geschäftsführer der Ersten gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft. Aber: "Über 24,99 Meter kann man schlecht drüber in NÖ", weiß Bürgermeister Stadler: "Wir bräuchten einen Investor, der sich traut." Eine Deregulierung ist auch notwendig bei der Vorschreibung für Parkplätze, sind sich alle einig. "Sie verteuern die Wohnpreise", betont Fritz Kittel, der einen weiteren Wunsch der Bauträger formuliert: "Bei der Schnelligkeit könnten wir einiges tun. Bis ein Projekt fertig ist, dauert es durchschnittlich 7 bis 10 Jahre. Umweltauflagen und Verkehrskonzepte sollten im Vorfeld geklärt werden. Dann können wir auf 4 Jahre runterkommen."