Hunderte spannende Persönlichkeiten und Entscheidungsträger:innen treffen einander zur Vernetzung und zum Austausch im St. Pöltner Rathaus. Die Einladung erfolgte wie gewohnt von Bürgermeister Matthias Stadler, die beliebte Veranstaltung wurde auch im 22. Bestandsjahr durch das städtische Wirtschaftsservice Ecopoint organisiert.
Dabei wurde auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurückgeblickt: Am Standort konnten über 200 Arbeitsplätze durch Betriebsansiedlungen gesichert bzw. neu geschaffen werden. 24 Projekte wurden realisiert – vom PVZ im Norden und dem Radiologiezentrum im Süden über die Standorterrichtung von BYD und 11teamsports bis hin zur neuen VR-Spielhalle und der Übersiedlung Vermessung Schubert sowie der gleichnamigen Buchhandlung, die jetzt Kral heißt. „Für künftige Ansiedlungen haben wir mit dem neuen Gewerbegebiet Eggendorf ein 3,5 ha großes Betriebsareal entlang der Ochsenburger Straße geschaffen. Schon jetzt haben wir dazu zahlreiche Anfragen und großes Interesse“, berichtet Christoph Schwarz von ecopoint.
Die Kommunalsteuer als Vitalitätsindikator stieg erneut um fast 4 Prozent auf über 41 Millionen Euro und auch die Zahl der Wirtschaftssparten steigt seit Jahren kontinuierlich: Spitzenreiter sind Gewerbe und Handwerk mit 1.879 Standorten, gefolgt vom Handel mit 1.344 Standorten.
Eine Sonderauswertung zur Besucherfrequenz der Innenstadt attestiert ebenfalls Bestwerte im Städtevergleich: Bereits von 2023 auf 2024 konnte eine Steigerung von 6,2 Prozent erreicht werden, 2025 konnte gar eine durchschnittliche Wochenfrequenz von über 656.000 gemessen werden.
„Die Wirtschaftskennzahlen der Stadt zeigen: St. Pölten geht es gut. Wir können die Digitalisierung nutzen, positionieren uns weiter als Arbeits- und Bildungsstandort und steuern österreich- und europaweiten Negativtrends entgegen“, so Bürgermeister Matthias Stadler. Er hält weiters fest: „Auch der 2024 eingeschlagene Konsolidierungspfad wirkt, wir können 2025 bereits mit einem Plus bilanzieren und auch das Haushaltspotenzial ist wieder positiv und gibt uns wieder mehr Spielraum für die Zukunft.“
Vier Jahrzehnte Gulasch mit Saft
Vor 40 Jahren wurde St. Pölten mit einer Volksbefragung zur Landeshauptstadt und Niederösterreich endlich zu einem Bundesland „mit einem eigenen schlagenden Herzen“.
Nach der Trennung von Wien ging Niederösterreich 1922 als Bundesland in seiner heutigen Form hervor. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Situation nach dem Ersten Weltkrieg beließ man den Sitz von Landesregierung und Landtag in der Wiener Herrengasse. Unter dem Slogan „ein Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft“ kam es zur Volksbefragung am 1. und 2. März 1986. Bemerkenswert war das Ergebnis in mehrfacher Hinsicht: Die Beteiligung lag mit 61,3 % deutlich über anderen Sachvoten. Und die Wahl für St. Pölten fiel mit 45 % klarer aus, als zu erwarten war. Am 10. Juli 1986 beschloss der Landtag die neue Landeshauptstadt. Bereits 1997 konnte die gesamte Verwaltung nach St. Pölten übersiedeln.
„Ein neues Selbstbewusstsein ging damit einher“, erinnert sich Historiker und Bürgermeister Matthias Stadler. Die Stadt hat die Herausforderung angenommen und daraus ihre eigene Vision entwickelt, die sie 2008 zu einem Masterplan fasste. Dieser wurde 2023 entlang der Erfordernisse der Zeit weitergeschrieben. Als Klima-Pionierstadt produziert die Stadt heute annähernd so viel Energie aus erneuerbaren Quellen wie sie insgesamt benötigt. Aktivität im Wohnbau wird weiterhin weniger Druck bei den Wohnkosten bedeuten. Mit dem beschlossenen Sicherheitszentrum erhält dieses wichtige Thema besonderen Stellenwert.
Ob Verkehr, Bildung, Forschung oder Tourismus: Zunehmend wird eine überregionale Perspektive zur Voraussetzung, um Zukunftschancen zu nutzen. Die Hauptstadtregion formiert sich neben Wien und Linz/Wels zum bestimmenden Wirtschaftscluster entlang des West-Ost-Korridors in Österreich. Eng einher geht damit die Umsetzung des aktuellen Masterplans stp*25|50. Auf dem Weg zu einer „leading city & region“ in Europa synchronisiert er die Entwicklung der Stadt und ihres Umlandes mit den Strategien des Landes: etwa jene für Digitalisierung, Tourismus sowie Forschung, Technologie und Innovation.
Stadler lässt für den erfolgreichen Weg in der Vergangenheit Zahlen für sich sprechen: „1.000 zusätzliche Betriebe in den letzten 10 Jahren und Verdoppelung des Bruttoregionalprodukts in den letzten 20 Jahren.“
Übrigens: Ebenfalls 40 Jahre in St. Pölten sind die beiden Traditionsbetriebe Sunpor und Göndle, welche sich zu wichtigen Arbeitgebern und visionären Betrieben am Standort entwickelt haben.
Drei Jahrzehnte steile Lernkurve
Die FH wurde vor 30 Jahren gegründet, einer der ersten Geschäftsführer war Bürgermeister Matthias Stadler. Diese hat sich vor kurzem umbenannt in USTP – University of Applied Sciences St. Pölten. „Der neue Name unterstreicht unsere wachsende Internationalität. Gleichzeitig unsere starke Rolle als dynamischer Knotenpunkt für tertiäre Bildung, Forschung und gesellschaftliche Transformation“, hält Geschäftsführer Johann Haag fest.
Als leitende Hochschule der European-University-Allianz "E³UDRES²" werden Schwerpunkte in Lehre und Forschung gesetzt, etwa zu Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit, Medien und digitale Technologien, Gesundheitswesen, nachhaltige Mobilität und Soziale Arbeit. Und auch wirtschaftlich kann sich die Leistung sehen lassen: „Unsere Forschungserlöse haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt, für 2025 erwarten wir rund 7 Millionen Euro. Mit über 1.700 haupt- und nebenberuflichen Angestellten zählen wir zu den größten Arbeitgebern der Region und haben kürzlich das Ressel Zentrum zu KI-gestützter hydroklimainformierter Energie- und Ressourcenoptimierung mit vielen regionalen Partner:innen eingereicht“, weiß auch der zweite Geschäftsführer Hannes Raffaseder.
Zahlreiche internationale Preise zeigen, dass das St. Pöltner Konzept international erfolgreich ist. Manche Auszeichnungen sind ganz frisch: So etwa der Global Student Satisfaction Award 2025 für die höchste Lebensqualität im Studium.
Der Wirtschaft eine Plattform geben
Seit 20 Jahren stärkt eine gemeinsame Plattform den Standort und wird umgekehrt von diesem gestärkt. Knapp 370 Mitglieder schwören inzwischen auf dieses Erfolgsrezept.
Obmann Dominik Mesner erklärt: „Als Plattform bauen wir an einer gemeinsamen Basis für Behörde-Bürger-Wirtschaft-Politik. Mit der Plattform ist eine ganze Armee an Fürsprechern und Multiplikatoren für die Stadt herangewachsen.“ Daneben hat sich die Marketing St. Pölten GmbH zu einer schlagkräftigen Umsetzungsmaschinerie entwickelt, die heute vieles sehr effizient für die Stadt leistet.
Die größten Chancen sieht Mesner klar im Tourismus und der Hauptstadtregion: „Mit gemäßigtem Qualitätstourismus stehen wir für Vielfalt in einer wundervollen Kulturlandschaft. Viele Flächenreserven im gesamten Stadtgebiet bieten Chancen für Transformation und zukunftsfähiges Wachstum. Landesgesetzliche Raumordnungsbestimmungen hinken hinterher und blockieren viele gute, insbesondere klimafreundliche Projekte."