Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bezeichnete die Landeshauptstadtwerdung als „eine Entscheidung mit Weitblick: für Eigenständigkeit, für eine eigene Landesidentität und für ein starkes Zentrum mitten in Niederösterreich.“ Heute könne man sagen: „Ein starkes Zentrum für Niederösterreich.“ Aus einer reinen Industriestadt sei eine moderne Landeshauptstadt geworden: „Sie ist das Zentrum unseres Bundeslandes. Sie ist das Herz unserer Heimat. Sie ist unsere Landeshauptstadt.“
Bürgermeister Matthias Stadler spannte den Bogen von der historischen Entscheidung zur Entwicklung der Landeshauptstadt. St. Pölten sei weit über das damalige Landhausviertel hinausgewachsen und habe sich zu einer modernen, vielfältigen und lebenswerten Landeshauptstadt entwickelt. Die Bevölkerung habe sich damals „für ein starkes Herz“ entschieden, das heute „über das Land und weit darüber hinaus ausstrahlt“, so Stadler. Er hob auch den „Schulterschluss mit dem Land Niederösterreich“ hervor, so seien viele gemeinsame Projekte gelungen. Gemeinsam mit dem Land Niederösterreich wolle man „das starke Zentrum weiter gestalten, die Hauptstadtregion wirtschaftlich und touristisch weiterentwickeln und die Lebensqualität weiterhin so hoch halten“. Abschließend dankte der Bürgermeister all jenen, „die ihren Teil zur Hauptstadtlegung beigetragen haben“, und lud dazu ein, „diesen erfolgreichen Weg gemeinsam weiter“ zu gehen.
Bedeutung für Forschung, Industirie und Innovation
Die eigene Landeshauptstadt St. Pölten sei „eine Erfolgsgeschichte für Niederösterreich“, zeigte sich Bundeskanzler Christian Stocker überzeugt und hob unter anderem die Bedeutung Niederösterreichs als Standort für Wissenschaft, Forschung, Industrie, Innovation und Landwirtschaft, aber auch die Schönheit des Landes, hervor. Die vergangenen 40 Jahre hätten gezeigt, dass die Bevölkerung damals eine Entscheidung getroffen habe, die „richtig und gut“ war, hielt er fest.
Landtagspräsident Karl Wilfing erinnerte daran, dass der Beschluss des Niederösterreichischen Landtages vom 10. Juli 1986 weit mehr gewesen sei als eine Standortentscheidung. Mit der einstimmigen Änderung der Landesverfassung habe Niederösterreich „nicht nur eine Hauptstadt“, sondern „eine Herzkammer“ bekommen. Der Beschluss sei „ein Akt politischen Mutes und ein kräftiges Bekenntnis zur Eigenständigkeit“ gewesen. Rückblickend könne man sagen, dass Niederösterreich die Chancen der vergangenen Jahrzehnte genutzt habe und sich „aus einem Land im Schatten Wiens, am Rande der westlichen Welt gelegen, zu einem starken, selbstbewussten Bundesland und einer selbstbewussten Region im Rahmen der Europäischen Union“ entwickelt habe. Zugleich unterstrich Wilfing, dass „ein starker Mittelpunkt und starke Regionen kein Widerspruch“ seien. „Im Gegenteil, sie bedingen einander.“ Mit Blick auf die Zukunft sprach sich der Landtagspräsident für selbstbestimmte Bundesländer aus, die Verantwortung übernehmen und ihr Land gestalten.
Im Rahmen des Festaktes kamen auch Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll und Landeshauptmann-Stellvertreterin a. D. Heidemaria Onodi in einem Videobeitrag zu Wort. Die Entscheidung habe dazu geführt, „dass Niederösterreich in die Lage versetzt wurde, aus dem Schatten der Bundeshauptstadt herauszutreten“, sprach Pröll dabei von einem „enormen Energieschub“ für das gesamte Land.