Jubiläumsjahr

1986: Der Weg zur Landeshauptstadt St. Pölten

2026 feiert St. Pölten 40 Jahre Landeshauptstadt. Am Anfang stand eine Volksbefragung am 1. und 2. März 1986. 

Baustelle Regierungsviertel St. Pölten in den 1990er Jahren. (Foto: Stadtarchiv St. Pölten)
Baustelle Regierungsviertel St. Pölten in den 1990er Jahren. (Foto: Stadtarchiv St. Pölten)

Mit der Abtrennung Wiens von Niederösterreich im Jahr 1922 verlor das Bundesland seine traditionelle Hauptstadt. Trotz der politischen Trennung blieb der Sitz der Landesregierung weiterhin im Wiener Landhaus in der Herrengasse. Auch zahlreiche niederösterreichische Behörden und Institutionen blieben vorerst in Wien.

Aus finanziellen Gründen verzichtete man zunächst auf die Errichtung einer eigenen Landeshauptstadt, obwohl die Frage ab 1928 erstmals öffentlich thematisiert wurde. In den Jahrzehnten nach 1955 gab es wiederholt politische Vorstöße zu einer Hauptstadtlösung, jedoch ohne parteiübergreifende Einigung. Erst Landeshauptmann Siegfried Ludwig belebte Anfang der 1980er-Jahre die Diskussion neu. Mit der humorvollen Kampagne „Ein Land ohne Landeshauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft“ wurde die Bevölkerung erstmals breit eingebunden.

Volksbefragung legte Grundstein

Nach einer politischen Einigung zwischen ÖVP und SPÖ beschloss der Landtag die Durchführung einer Volksbefragung. Am 1. und 2. März 1986 war die Bevölkerung eingeladen, über die Grundsatzfrage „Landeshauptstadt – ja oder nein?“ abzustimmen. 56 % der Niederösterreicher:innen sprachen sich für eine eigene Landeshauptstadt aus.

Im zweiten Teil der Befragung konnten die Bürger:innen ihren bevorzugten Standort nennen. 45 % entschieden sich für St. Pölten, gefolgt von Krems mit 29 %. Die Zustimmung innerhalb St. Pöltens selbst lag bei bemerkenswerten 96 %. Am 10. Juli 1986 beschloss der Landtag schließlich, St. Pölten zur neuen Landeshauptstadt zu erheben. Schon am nächsten Tag fand das erste „Hauptstadtfest“ statt, das bis 2005 jährlich gefeiert wurde.

Die Geburtsstunde des Regierungsviertels

Für das neue politische Zentrum suchte man nach einem Standort, der eng mit der Stadt verbunden sein sollte. Die Wahl fiel auf den „Ost-Flussraum“, ein Gebiet am linken Traisenufer, das damals von Schrebergärten, Firmen und dem alten „Rennbahnstadion“, einer ehemaligen Trabrennbahn geprägt war, wo einst Pferde ihre Runden drehten und später Motorsportbewerbe stattfanden.

1988 wurde ein internationaler Architektenwettbewerb ausgeschrieben, bei dem sich Ernst Hoffmann gegen 115 Mitbewerber durchsetzte. Sein Entwurf wurde zum Startpunkt eines der größten Bauprojekte Europas in den 1990er-Jahren.

1992 erfolgte der feierliche Spatenstich, begleitet von einem dreitägigen Volksfest, zu dem über 15.000 Blasmusiker:innen anreisten. In nur fünf Jahren wuchs am Traisenufer ein modernes Regierungsviertel, das Architektur, Verwaltung und Kultur miteinander verbindet. 1997 übersiedelten Landesregierung und Landtag endgültig von Wien nach St. Pölten. Mit der ersten Landtagssitzung im neuen Gebäude begann für Niederösterreich ein neues Kapitel. Seither prägen mehrere markante Bauwerke den Kultur- und Verwaltungsbezirk: der vom Architekten Ernst Hoffmann entworfene Klangturm, das charakteristische „Landhausschiff“ des Landtagsgebäudes, das Festspielhaus nach Plänen von Klaus Kada, das Museum Niederösterreich nach Entwürfen von Hans Hollein sowie die beiden Wissensspeicher des Landes – die Landesbibliothek und das Landesarchiv – gestaltet von den Architekten Paul Katzberger, Karin Bily und Michael Loudon.

Aus dem einstigen Rennplatz wurde das Herz der Landespolitik – und St. Pölten wuchs zu jener modernen, lebendigen Landeshauptstadt heran, die heute das Zentrum Niederösterreichs bildet.

Heuer gibt es gleich mehrere Jubiläen zu feiern

50 Jahre Stadtmuseum im Karmeliterinnenhof

Von 8. bis 10. Mai lädt das Stadtmuseum zum Eröffnungswochenende seines Jubiläums „50 Jahre Stadtmuseum im Karmeliterinnenhof“. Das Museum hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten nicht nur gesammelt, bewahrt und geforscht – es hat Generationen von St. Pöltner:innen begleitet, Schulklassen Geschichte nähergebracht und unzählige Sonderausstellungen zur Stadt- und Zeitgeschichte realisiert.

Zum Jubiläum blickt das Museum nicht nur zurück, sondern wagt auch einen großen Schritt nach vorne: Das gesamte Wochenende steht im Zeichen der Präsentation der neuen stadtgeschichtlichen Dauerausstellung, die St. Pöltens Entwicklung von der Steinzeit bis in die Gegenwart Besucher:innen näher bringt – multimedial, interaktiv und atmosphärisch aufbereitet. Gleichzeitig eröffnet die umgestaltete Zeitgeschichteausstellung, die St. Pöltens Auseinandersetzung mit den Jahren des Nationalsozialismus, dessen Vorgeschichte und die Auswirkungen dieser dunklen Epoche auf die Stadt in den Mittelpunkt rückt.

Das Eröffnungswochenende bietet ein dichtes, erlebnisreiches Programm: Eine feierliche Eröffnung, bei der sowohl die neugestaltete Stadtgeschichte-Ausstellung als auch die aktualisierte Präsentation „Blick in den Schatten“ erstmals vorgestellt werden, Rundgänge durch die neuen Ausstellungen und Mitmach-Archäologie-Stationen bei „Archäologie im Hof“. Zusätzlich öffnet die Jubiläumsausstellung „Die unbekannte Geschichte eines Hauses“ die Türen zu bislang verborgenen Kapiteln des Museumsgebäudes.

40 Jahre Landeshauptstadt St. Pölten

Unmittelbar danach richtet sich der Blick auf ein weiteres großes Ereignis: Zum Jubiläum „40 Jahre Landeshauptstadt St. Pölten“ eröffnet am 19. Mai 2026 eine Ausstellung zur Entwicklung der Stadt seit 1986. Als Kooperation zwischen dem Museum Niederösterreich und dem Stadtmuseum erarbeitet, lässt die Ausstellung die letzten 40 Jahre an zehn öffentlichen Plätzen sowie in den beiden großen Ausstellungshäusern Revue passieren.

Ein doppeltes Jubiläum, zwei große Ausstellungen – und eine seltene Gelegenheit, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft St. Pöltens in ihrer ganzen Vielfalt neu zu entdecken.

30 Jahre Fachhochschule St. Pölten – heute USTP

Die Fachhochschule St. Pölten wurde Mitte der 1990er-Jahre gegründet und nahm im Wintersemester 1996/97 ihren Studienbetrieb auf. Von Beginn an stand eine praxisnahe, zukunftsorientierte Ausbildung im Mittelpunkt. In den folgenden Jahren wuchs die Hochschule stetig: Neue Studiengänge, moderne Campusbauten und der Ausbau der angewandten Forschung prägten ihre Entwicklung.

Aus einer regionalen Bildungsinitiative wurde eine international vernetzte Hochschule mit Schwerpunkten in Medien, Digital Technologies, Gesundheit, Soziales, Management und Sicherheit. Heute studieren mehrere tausend Studierende an der Hochschule, die zugleich ein wichtiger Innovationsmotor für die Region ist.

Mit der Umbenennung zur USTP – University of Applied Sciences St. Pölten unterstreicht die Hochschule ihr internationales Profil und blickt nach 30 Jahren erfolgreich in die Zukunft.

20 Jahre Plattform St. Pölten

Vor 20 Jahren wurde die Plattform St. Pölten ins Leben gerufen – ein Netzwerk, das Wirtschaftstreibende, Unternehmer:innen, Institutionen und die Stadt St. Pölten miteinander verbindet. Ziel der Plattform ist es, den Wirtschaftsstandort St. Pölten gemeinsam zu stärken, Ideen auszutauschen und konkrete Projekte für die Stadtentwicklung voranzubringen.

Die Plattform bringt seither Unternehmen unterschiedlichster Branchen zusammen, fördert Vernetzung, Austausch und Kooperationen und macht wirtschaftliche Interessen sichtbar und hörbar. Dabei geht es nicht nur um klassischen Austausch – die stp*Plattform schafft auch Gelegenheiten zum Dialog, wie regelmäßige Meet & Greet-Events, Informationsangebote und gemeinsame Initiativen.

Mit inzwischen über 350 Mitgliedern aus Handel, Industrie, Dienstleistung und weiteren Bereichen hat die stp*Plattform einen spürbaren Beitrag zur positiven Entwicklung des Wirtschafts- und Lebensraums St. Pölten geleistet. Sie ist heute ein fester Partner der Stadt, verknüpft lokale Wirtschaftskraft mit städtischer Entwicklung und hilft, gemeinsame Zukunftsvisionen umzusetzen.