Im Stadtarchiv und dem Dachboden des NÖ Pressehauses schlummerte ein unentdeckter Schatz der regionalen Filmgeschichte über die Redaktion und Druckerei des Pressvereins St. Pölten in der Linzer Straße.
Aufgrund des enormen Interesses und Andrangs steht bereits fest, dass der Film, der 2027 sein 90. Jubiläum feiert, im nächsten Jahr ein weiteres Mal mit Vertonung von Stummfilmpianist Gerhard Gruber sowie den Kommentaren von Historiker Lukas Kalteis und Stadtmuseumsleiter Thomas Pulle im Cinema Paradiso gezeigt wird.
Bei dem Stummfilm die „Schwarze Garde“ handelt es sich um einen Spielfilm, der die Arbeiten in der Druckerei und die Herstellung der St. Pöltner Zeitung anhand einer fiktiven Krimi-Handlung erklärt.
Stadt in den 1930er Jahren
„Man muss den Lesern in unaufdringlicher Weise vor Augen führen, wieviel Arbeit und Mühe es kostet, bis die Zeitung fertig vor dem Leser liegt“, heißt es im Artikel über den „Propagandafilm“. Propaganda ist in diesem Zusammenhang jedoch auf Werbung bezogen. Die politischen Geschehnisse der 30er Jahre spielen in der Handlung selbst keine Rolle.
Die Digitalisierung des nach eigenen Angaben ersten österreichischen Spielfilms auf 16mm-Schmalfilmformat brachte einmalige Aufnahmen zu Tage. Er zeigt beeindruckende Bewegtbilder der Innenstadt nur Monate bevor nach dem „Anschluss“ im März 1938 auch in St. Pölten Hakenkreuzfahnen wehten. Unter anderem führt die Handlung zum Domplatz, wo die 1935 errichtete und bereits 1938 wieder abgerissene Dollfuß-Säule in Szene gesetzt wird.
Zudem zeigt der Stummfilm Aufnahmen des alten Krankenhauses, der Linzer Straße, der Hauptschule am Schillerplatz, der Heßstraße, des Brunnenhofs der Diözese und der Hofstatt mit längst verschwundenen Gebäuden. Auch ein Gutshof im Teufelhof wurde in die Handlung miteinbezogen. Diese Filmbilder aus dieser Zeit sind wirkliche Raritäten und zeigen einen Ausschnitt aus dem Alltag der St. Pöltner Bevölkerung vor knapp 90 Jahren.
Einmalige Einblicke in Druckerei und Redaktion der St. Pöltner Zeitung
Das Hauptaugenmerkt des Films liegt auf der Zeitungsherstellung in der Redaktion und der Druckerei des Katholischen Pressvereines, der mit Ausnahme der NS-Zeit seit 1874 bis heute besteht. Die Handlung, die sich um diese Arbeit herum spinnt, dreht sich um einen, nach dem Ersten Weltkrieg verarmten, Reserveoffizier und alleinerziehenden Vater, der in St. Pölten durch den Pressverein seinen ehemaligen Unteroffizier, einen reichen Gutsbesitzer, trifft und schlussendlich beim ihm Arbeit findet.
In der Linzer Straße 7 wurden über Jahrzehnte mehrere Regionalzeitungen, darunter die St. Pöltner Zeitung, die Kremser-Zeitung, die Ybbstal-Zeitung und die Eggenburger Zeitung, sowie allerlei andere Drucksorten hergestellt. Die St. Pöltner Zeitung besteht als Niederösterreichische Nachrichten (NÖN) bis heute fort.
Nähere Infos zum Termin 2027 werden noch veröffentlicht.