Nachruf

Magistratsdirektor a.D. Karl Karner verstorben

Der ehemalige Magistratsdirektor Hofrat Dr. Karl Karner ist am 5. August 2026 im 94. Lebensjahr verstorben.

Hofrat Dr. Karl Karner. Foto: Josef Vorlaufer
Hofrat Dr. Karl Karner war von 1986 bis 1998 Magistratsdirektor der Stadt St. Pölten. Foto: Josef Vorlaufer

Mit Magistratsdirektor a.D. Hofrat Dr. Karl Karner verliert die Landeshauptstadt St. Pölten eine Persönlichkeit, die die Entwicklung der Stadt über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgestaltet hat.

Bürgermeister Matthias Stadler würdigt das Lebenswerk von Karl Karner mit den Worten: „Mit Hofrat Karl Karner verliert St. Pölten einen außergewöhnlichen Verwaltungsfachmann und einen Menschen, der die Entwicklung unserer Stadt mit Weitblick, Tatkraft und großem Verantwortungsbewusstsein begleitet hat. Sein Einsatz für eine bürgernahe Verwaltung und seine Verdienste um die Landeshauptstadt werden unvergessen bleiben. Die Landeshauptstadt St. Pölten wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.“

Beruflicher Werdegang

Karl Karner wurde am 17. März 1933 in St. Pölten geboren. Nach der Reifeprüfung am Bundesrealgymnasium begann er 1951 seine berufliche Laufbahn bei den Österreichischen Bundesbahnen. Parallel dazu studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien und promovierte zum Doktor der Rechte. 1963 wechselte er in die Generaldirektion der ÖBB.

1967 trat er in den Dienst des Magistrats der Stadt St. Pölten ein. Nach der praktischen Prüfung für die politische Geschäftsführung wurde er 1973 erster Leiter der neu geschaffenen Präsidialabteilung. Dort verantwortete er unter anderem die erste kommunale Familienbetreuungsstelle Österreichs, das freiwillige Feuerwehrwesen sowie die Mietrechtsschlichtungsstelle.

Ab 1977 war er maßgeblich am Aufbau des Kabel-TV-Netzes in der Stadt und Region St. Pölten beteiligt und führte die Kabel-TV-Gesellschaft. Zudem war er Amtsdirektor des Bezirksschulrates St. Pölten-Stadt.

Magistratsdirektor in einer prägenden Zeit

1986 wurde Dr. Karl Karner Magistratsdirektor der Stadt St. Pölten, Obersenatsrat und Geschäftsführer der Landesgruppe des Österreichischen Städtebundes. Als sechster Magistratsdirektor der Stadt fiel seine Amtszeit in eine der bedeutendsten Entwicklungsphasen St. Pöltens. Er war bereits davor in die Vorbereitungen der Hauptstadterhebung eingebunden und wirkte auch an der Imagekampagne „Ja zu St. Pölten“ mit.

1988 verlieh ihm der Bundespräsident den Titel Hofrat, 1994 erhielt er das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich. Mit Ende 1998 trat er in den Ruhestand. Im Dezember desselben Jahres wurde ihm der Ehrenring der Landeshauptstadt St. Pölten verliehen.

Bürgernähe und Modernisierung

Hofrat Dr. Karl Karner setzte sich konsequent für eine bürgernahe Verwaltung und gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter:innen des Magistrats ein. Während seiner Amtszeit entstanden unter anderem der neue Wirtschaftshof und das Wasserwerk, die Expositur in der Josefstraße, das Bürohaus am Roßmarkt sowie adaptierte Büroräume im Rathaus. Zudem wurden neue Abteilungen geschaffen und die EDV-Vernetzung der Stadtverwaltung aufgebaut. Außerdem ging 1989 die heutige Feuerwehrzentrale der FF St. Pölten-Stadt in der Goldegger Straße in Betrieb – ein damals wegweisender Bau, der unverkennbar seine Handschrift trägt.

Engagement über den Magistrat hinaus

Neben seiner Tätigkeit als Magistratsdirektor engagierte sich Dr. Karl Karner in der Juristischen Gesellschaft, im Österreichischen Städtebund, im Bezirksschulrat, bei der NÖ-Plan sowie beim Aufbau des Fachhochschulwesens. Verdienste erwarb er sich auch beim Ausbau des Kabelfernsehnetzes sowie mit der Initiierung von Sportneigungsgruppen, Sporttrainingsgruppen in Schulen und des Sportbusses der Stadt.

Sein berufliches Wirken war geprägt von hoher fachlicher Kompetenz, Innovationskraft und dem Bestreben, die Verwaltung zukunftsorientiert und bürgernah weiterzuentwickeln.

Vision für die junge Landeshauptstadt

In einem Interview mit St. Pölten Konkret im Jahr 1993 formulierte Hofrat Dr. Karl Karner seine Vision einer „Hauptstadt mit Qualität“. Besonders wichtig waren ihm der Ausbau universitärer Einrichtungen, das Landeskonservatorium sowie ein vollwertiges ORF-Landesstudio.