In Zusammenspiel aus Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlichem Engagement ist das Festival "Stimmen der Wildnis" erstmals von 24. bis 26. April 2026 über die Bühne gegangen und hat ein starkes Zeichen gesetzt: für ein neues Zuhören und für die politische Repräsentation der Natur. Den Auftakt gestaltete der italienische Ökoakustiker Dr. David Monacchi mit seiner Keynote „The Singing of the Forests“ („Das Singen der Wälder“). Darin machte er hörbar, was oft übersehen wird: die Klanglandschaften der artenreichsten Wälder dieser Erde als über Millionen Jahre gewachsene „Kompositionen“ von außergewöhnlicher Schönheit – und zugleich als fragile Systeme, deren Existenz zunehmend bedroht ist.
Am Samstag wurde dieses Hinhören weiter vertieft: Workshops und Vorträge, die in Kooperation mit Ö1 und dem Solektiv im Sonnenpark sowie in der Glanzstoff Fabrik stattfanden, luden dazu ein, neue Zugänge zur Wahrnehmung von Natur zu entwickeln. Impulse dazu gaben unter anderem die britische Ornithologin und Aktivistin Mya-Rose Craig („Birdgirl“), die Verhaltensbiologin Angela Stöger sowie der Biologe und Naturvermittler Richard Zink.
Parlament der Wildnis soll Hinhören fördern
Seinen Höhepunkt fand das Festival am Sonntag mit der Gründung des Parlaments der Wildnis unter dem Vorsitz der ehemaligen Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Irmgard Griss. Nach Tagen des Hinhörens rückte nun das Handeln in den Fokus: Im Zentrum der Versammlung stand die Frage, wie Natur im demokratischen Prozess vertreten werden kann.
Insgesamt wurden 11 Anträge aus der Zivilgesellschaft eingebracht, die konkrete Anliegen zum Schutz von Ökosystemen formulierten. Über diese entschieden junge Menschen in gewählten Funktionen – etwa aus Schülervertretungen – in der Rolle der „Senator:innen“. Als Generation, die die Folgen heutiger Entscheidungen am stärksten tragen wird, stimmten sie darüber ab, welche Forderungen Unterstützung finden – orientiert an der Frage, wie die Natur selbst entscheiden würde. Begleitet wurde der Prozess von Expert:innen aus Wissenschaft, Kunst und Rechtswissenschaft, darunter Prof. Thomas Valentin, Elisabeth von Samsonov und Christoph Thun-Hohenstein.
Gemeinsame Weiterentwicklung
Die Debatten verliefen engagiert und mitunter kontrovers: Abänderungsanträge wurden eindringlich verhandelt, Positionen geschärft und gemeinsam weiterentwickelt. Besonders deutlich zeigte sich die Verbindung von lokalem Engagement und globalen Herausforderungen in den eingebrachten Anliegen. Nach intensiver Auseinandersetzung fanden alle eingebrachten Anliegen die Zustimmung der Senator:innen und fließen nun in das gemeinsame Dossier „Ruf der Wildnis“ ein.
Zum Abschluss richtete Parlamentspräsidentin Irmgard Griss einen eindringlichen Appell an alle Generationen, sich aktiv für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen einzusetzen – und schloss damit die Sitzung des Parlaments der Wildnis.
Nähere Infos unter www.museumnoe.at.