Mit dem Tod von Ernst Krötlinger verliert die Landeshauptstadt St. Pölten einen ihrer bedeutendsten bildenden Künstler. Er zählt zu jenen Künstlerpersönlichkeiten, die das kulturelle Profil St. Pöltens nachhaltig mitgestaltet haben. Über Jahrzehnte hinweg prägte er mit seinem vielseitigen künstlerischen Schaffen das kulturelle Leben der Stadt und hinterließ mit zahlreichen Arbeiten im öffentlichen Raum bleibende Spuren.
„Mit Ernst Krötlinger verliert die Stadt nicht nur einen der namhaftesten bildenden Künstler, die in St. Pölten gewirkt haben, sondern auch einen Freund. Seine Werke prägen bis heute das Stadtbild und machen Kunst im öffentlichen Raum für die Bevölkerung unmittelbar erlebbar. Ernst Krötlinger war seiner Heimatstadt stets eng verbunden und hat dieser Verbundenheit mit seinem künstlerischen Schaffen Ausdruck verliehen. Mit seinem Werk hat er bleibende Spuren hinterlassen und einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Identität St. Pöltens geleistet“, würdigt Bürgermeister Matthias Stadler das Lebenswerk von Ernst Krötlinger.
Ein künstlerisches Leben
Ernst Krötlinger wurde am 13. Februar 1938 in St. Pölten geboren und absolvierte nach seiner Ausbildung an der Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie ab 1958 das Kunststudium an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Robin Christian Andersen und Herbert Boeckl, das er 1963 mit dem Diplom für Malerei abschloss.
Über mehrere Jahre besuchte Ernst Krötlinger mit seiner Frau Ekati, die an der Universität in Wien Kunstgeschichte studierte, regelmäßig die Vorlesungen der Kunsthistoriker Otto Pächt und Fritz Novotny. In ihrer Studienzeit unternahmen die beiden zahlreiche Reisen, um die großen Museen von Paris, London, Edinburgh, Glasgow, München, Zürich, Basel und Athen zu besuchen.
Bereits früh entwickelte Krötlinger seine unverwechselbare künstlerische Handschrift. Ausgangspunkt seiner Arbeiten war stets die sichtbare Welt. Menschen, Landschaften, Porträts und Stillleben bildeten zentrale Themen seines Schaffens. Seine Malerei verband eine intensive Beobachtung der Wirklichkeit mit einer eigenständigen Bildsprache und einer besonderen Auseinandersetzung mit Farbe, Form und Komposition.
Der Durchbruch
1965 gewann er mit seinem Entwurf eines Glasbetonbandes den Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des neu errichteten Hallenbades in St. Pölten – ein Meilenstein, der den Grundstein für seine erfolgreiche Laufbahn als freischaffender Künstler legte.
Trotz seines Wirkens weit über die Grenzen Niederösterreichs hinaus blieb Ernst Krötlinger seiner Geburtsstadt St. Pölten stets eng verbunden. Diese Verbundenheit spiegelte sich nicht nur in seinen Arbeiten, sondern auch in seinem langjährigen Engagement für das kulturelle Leben St. Pöltens wider. Seine Werke sind bis heute Teil des Stadtbildes und prägen Orte, die täglich von vielen Menschen wahrgenommen werden. Für seine herausragenden Leistungen erhielt er 1987 den Preis des „Theodor-Körner-Stiftungsfonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst“ und 2005 wurde er mit dem Jakob-Prandtauer-Preis der Landeshauptstadt St. Pölten ausgezeichnet.
Kunst im Alltag St. Pöltens
Zu den bedeutendsten Arbeiten von Ernst Krötlinger in St. Pölten zählen die künstlerischen Gestaltungen der Bestattungshallen mit ihren markanten Betonglaswänden, ein Betonrelief an der Prandtauerhalle, keramische Wandgestaltungen in Schulen und Kindergärten, ein Trinkbrunnen sowie eine Ballspielwand im Süden der Stadt.
Neben seinen Arbeiten im öffentlichen Raum widmete sich Ernst Krötlinger zeitlebens intensiv der Malerei. Sein umfangreiches Werk umfasst zahlreiche Gemälde, die in Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert wurden. Auch im Stadtmuseum waren die Werke in der Vergangenheit mehrmals zu sehen, zuletzt im Jahr 2014.