Den Ausgangspunkt des Werks von Gitarrist und Freiraum-Programmleiter Martin Rotheneder bildete die Biografie einer Frau mit Down-Syndrom, geboren kurz nach dem Ende der NS-Euthanasie. Ihre Mutter förderte sie unermüdlich und fuhr regelmäßig mit ihr in die Großstadt – zu einer Zeit, in der Menschen mit Trisomie 21 oft versteckt wurden. Dass diese Frau ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben führen und die prognostizierte Lebenserwartung deutlich übertreffen konnte, wurde für Rotheneder zur Initialzündung.
„Das Album versteht sich als musikalische Erinnerungsarbeit – nicht dokumentarisch, sondern emotional. Es handelt vom Weiterleben von Geschichten, von menschlicher Widerstandskraft und davon, dass Hoffnung oft näher liegt, als man glaubt“, so Rotheneder.
Die Kompositionen beruhen auf Anekdoten von Menschen, deren Erlebnisse während und nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang unausgesprochen blieben. Worte hätten das Gehörte nicht tragen können, daher übersetzte er Emotionen in Improvisationen, aus denen später Stücke entstanden. Trotz historischer Schwere richtet das Album den Blick auf die lichten Momente jeder Lebensphase – auf das Schöne in kleinen Dingen, hörbar in warmen Klangfarben und offenen Harmonien.
Rotheneder wuchs mit klassischer Gitarre auf und wurde zum Jazzgitarristen ausgebildet. Über zwei Jahrzehnte prägte er die österreichische Indie-Pop- und Rockszene mit Projekten wie Ben Martin, I Am Cereals und The Black Riders. Er arbeitete zudem für Ken Stringfellow, Lemo, Julian Le Play und Serge Falck. Als „Soulitaire“ erhielt er Anerkennung durch die BBC für seinen Innovationsgeist.
Konzert in der Bühne im Hof
Am Samstag, dem 14.März feiert Martin Rotheneder sein 40-jähriges Bühnenjubiläum mit besonderen Gäst:innen an seiner Saite um 19:30 in der Bühne im Hof.
Nähere Infos und Tickets unter www.buehneimhof.at.