Die Ausstellung zeigt sieben Ritualobjekte aus den etwa 25 zerstörten und geplünderten Synagogen und Bethäusern Niederösterreichs. Diese wurden entweder vor dem 10. November 1938 zur Aufbewahrung in das Jüdische Museum Wien (JWM) gebracht oder gelangten als Raubgut in den Handel und wurden nach dem Krieg von Sammlern erworben. Auch zerstörte und verschwundene Gegenstände, die nur noch durch Fotos und Listen nachweisbar sind, werden in der Ausstellung thematisiert. Die Schau entstand in Zusammenarbeit mit dem JMW und wurde von Martha Keil, der wissenschaftlichen Leiterin der Ehemaligen Synagoge, kuratiert und von der Grafik-Designerin Renate Stockreiter gestaltet.
Öffnungszeiten: 15. April bis 15. November 2026, Mi - So & Feiertage: 10 - 17 Uhr
Erfreuliche Restitution
Aus dem Bestand des JMW wird auch ein Tora-Schild mit einer besonderen Geschichte zu sehen sein: In ihren Forschungen zur Vorbereitung der Ausstellung konnte die Kuratorin Martha Keil dessen Herkunft neu zuordnen und die Erben ausfindig machen. Es stammt aus dem privaten Bethaus der Familie von Simon Hacker aus Bad Erlach, das bereits im April 1938 geplündert und 1941 „arisiert“ wurde. Wie es in den Handel gelangte, ist unbekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von dem Schoa-Überlebenden Max Berger erworben. Die Judaica-Sammlung, die er zum Gedenken an seine von den Nationalsozialisten ermordete Familie aufgebaut hatte, wurde 1989 von der Stadt Wien angekauft und befindet sich seit 1992 als Dauerleihgabe im Jüdischen Museum Wien. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse beschloss die Restitutionskommission der Stadt Wien im November 2025 einstimmig die Rückgabe an die rechtmäßigen Erben. Die offizielle Rückgabe erfolgt zur Ausstellungseröffnung am 14. April.
Provenienzforschung kommt große Bedeutung zu
„Die Sammlung Max Berger ist der Versuch eines Schoa-Überlebenden, seiner ermordeten Familie durch das Sammeln von Judaica zu gedenken. Heute wissen wir, dass sich darunter auch Objekte befinden, die ursprünglich aus enteignetem jüdischem Besitz stammen. Umso wichtiger ist die Provenienzforschung“, sagt Museumsdirektorin Barbara Staudinger. „Das Jüdische Museum Wien freut sich, dieses Tora-Schild nun an seine rechtmäßigen Eigentümerinnen und Eigentümer restituieren zu können.“
Alle Informationen und Details zum Vermittlungsprogramm finden Sie unter ehemalige-synagoge.at.