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Jahrhundertealte Zeichnungen entdeckt

Der St. Pöltner Rathausturm wird seit Mai 2021 saniert, renoviert und restauriert, dabei sind historisch wertvolle Wandzeichnungen zum Vorschein gekommen. Die Zeichnungen stammen höchstwahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert.


Eine Frau arbeitet an der Freilegung von Wandzeichnungen, welche sie im Zuge von Restaurierungsarbeiten im St. Pöltner Rathausturm entdeckt hat. (Foto: Arman Kalteis)
Denkmalpflegerin Martina Petuely hat die Wandzeichnungen im Rahmen der Restaurierungsarbeiten im Rathausturm entdeckt und freigelegt. (Foto: Arman Kalteis)

Der achteckige Rathausturm wurde im Jahr 1591 fertiggestellt. Die bei den aktuellen Restaurierungsarbeiten freigelegten Rötelzeichnungen wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit etwa hundert Jahre später im 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts angefertigt. Die Restauratorin Martina Petuely hat die Zeichnungen vor zwei Wochen im Rathausturm entdeckt: „Die Zeichnungen haben einen hohen historischen Wert, weil es eine Quelle für die damalige Zeit ist. Wir haben bei den drei Zeichnungen zum Beispiel eine männliche Person dabei, die eine zeittypische Tracht anhat, sie hat einen geknöpften Mantel, der unten offen ist. Die Person hat eine Bundhose an, was auch sehr typisch für diese Zeit ist. Es handelt sich also um ein sehr schönes Zeitdokument.“

Urheber der Zeichnungen könnte der Turmwärter gewesen sein, der zur damaligen Zeit im obersten Geschoss des Turms lebte und unter anderem für die Feuerwache zuständig war, vermutet Petuely. Bei den beiden anderen Zeichnungen handelt es sich um Skizzen. Bei der mittleren Zeichnung könnte es sich um eine Hausfassade handeln und die zweite Skizze zeigt ein leeres Medaillon. „Da damals Papier etwas sehr Besonderes und Teures war und es nicht jeder zur Verfügung hatte, hat man damals erste Entwürfe oder Skizzen oft an Wände gemalt“, so Restauratorin Martina Petuely.

Gesamtansicht

Die drei Rötelzeichnungen stellen einen Mann in barocker Tracht, eine Fassade oder ein Mobelstück und ein Medaillon dar.
(Foto: Martina Petuely)

Weitere Untersuchungen noch notwendig

Der Fund diverser Rötelzeichnungen im Rahmen der Restaurierungsarbeiten im Rathausturm zeigt eindrücklich, dass bei historisch bedeutenden Bauten auch unter der vermeintlich glatten Oberfläche, immer wieder Überraschendes zu finden ist. Es sind aber noch unbedingt weitere Untersuchungen notwendig schlussfolgert Thomas Pulle, Leiter des Stadtmuseums: „Eindeutige Aussagen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt – ohne genauere Untersuchungen – noch nicht treffen. Es scheint jedoch eindeutig, dass sich die skizzenhaften Arbeiten in die Barockzeit um das 17. oder 18. Jahrhundert datieren lassen, worauf neben den Detailformen der Ornamente auch das Gewand der dargestellten männlichen Figur eindeutig hinweist. Die Figur bietet mit ihren Attributen zum Beispiel dem Schlüssel Raum für Interpretationen: Handelt es sich um einen Repräsentanten der Stadt, einen „Schlüsselgewaltigen“ oder verweisen die Schlüssel gar auf den Heiligen Petrus, der immer durch den an ihm beigegebenen Schlüssel zu erkennen ist. Künftige Forschungen werden hier vielleicht Licht ins Dunkel bringen.“

Rathausturm wird für Besucher geöffnet

Wer die historischen Zeichnungen im Rathausturm aus der Nähe besichtigen möchte, wird bald die Gelegenheit dazu haben. Bis Ende 2021 soll die Sanierung des Rathausturms noch andauern, im Zuge der Bauarbeiten wird der Turm auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In geführten Besichtigungstouren wird es möglich sein, etwa 15 Personen gleichzeitig die Besteigung des Rathausturmes zu ermöglichen. Der höchste Turmaufstieg für Gäste befindet sich 21 Meter über dem Rathausplatz, wo sich auch die Rathausuhr mit ihrer Mechanik befindet. Ein Aus- und Weitblick ist in alle vier Himmelsrichtungen durch die bestehenden Fensteröffnungen möglich.