Die Glanzstoff macht Platz
St. Pölten ist ein Industriestandort geblieben – und dabei lebenswerter geworden.
Flusswasser zur Energiegewinnung, „alles auf Schiene“ im Transport, günstige Gründe vor der Haustür: Internationale Großbetriebe entdeckten St. Pölten Anfang des 20. Jahrhunderts. Voith, Glanzstoff, Salzer oder Harlander Coats beschäftigten in Summe Zehntausende Mitarbeiter. Sogar von der „am schnellsten wachsenden Stadt Nie-derösterreichs“ war die Rede.
Die Industrialisierung hat St. Pölten seinerzeit Wohlstand gebracht, aber auch die Lebensqualität strapaziert. Als die Sprengung des Schlots am 17. Juli 2009 die „Ära Glanzstoff“ endgültig beendete, war längst ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wie nur wenige Industriezentren bewältigt die Stadt die Modernisierung und Ökologisierung ih-rer wirtschaftlichen Substanz. Sunpor nutzt heute Heizwärme der benachbarten Biomasse von Egger. Voith produziert Hightech-Turbinen für saube-re Wasserkraft. Die ÖBB schulen hier Personal aus ganz Österreich für die Bahnmobilität der Zu-kunft. Noch 1986 hat knapp die Hälfte der St. Pöltner in Industrie und Gewerbe gearbeitet. Heute sind drei von vier im Sektor der – oft industrienahen – Dienstleistungen beschäftigt. Für die Menschen in der Stadt bedeutete diese Transformation: tief durchatmen – und aufatmen.