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Auf dem Weg nach Smart Pölten

Auf dem Weg nach Smart Pölten

Eine Wolkenfarm auf dem Weg nach Smart Pölten

Das Sondierungsprojekt “wolkenfarm”, von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützt, befindet sich in der finalen Phase. Über ein Jahr lang wurde von mehreren Projektpartnern die Möglichkeit der Integration einer vertikalen Farm in ein Bestandsgebäude in St. Pölten untersucht.

Foto: 2018 vfi
Konzeptrendering "wolkenfarm". (© 2018 vfi) - Foto: 2018 vfi

Nachhaltige Landwirtschaft und Ressourcenschonung sowie ganzjähriger Anbau sind Hauptziele

Für das konkrete Projekt wurden der Energiebedarf und Betriebs- und Investitionskosten ermittelt und Anbau- und Produktionsmethoden festgelegt. Aufbauend darauf wurde ein sozioökonomisches Geschäftsmodell für die Errichtung der vertikalen Farm erstellt. Im Rahmen einer Abschlusskonferenz mit St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler werden Ende Oktober die Forschungsergebnisse des Projekts vorgestellt.

Smart City St. Pölten und die lokale Produktion von Gemüse und Kräutern

Die Stadt St. Pölten verfolgt konsequent ihr ambitioniertes Ziel bis 2020 “Fittest City of Austria” zu werden. Dabei werden Konzepte für die Bereiche der Stadtplanung und Stadtentwicklung, für Landschaft und Grünflächen und für Bildung erarbeitet und in ersten Schritten auch durchgeführt. Maximale Lebensqualität bei minimalem Ressourcenverbrauch ist das erklärte Ziel der Stadt. Die Vision “Fittest City of Austria” wird begleitet von einem Smart City Konzept und zielt auf die Entwicklung zur resilienten Stadt ab. Resilienz beschreibt in diesem Zusammenhang eine Strategie, um den zukünftigen Herausforderungen als Stadt gewachsen zu sein. Vertical Farming liefert dafür die optimale Verknüpfung von lokaler Lebensmittelproduktion, Lebensqualität für die BürgerInnen, Minimierung des Ressourcenverbrauchs sowie innovative Begrünung.

Vertical Farming: ein Konzept, das in Österreich Geschichte schrieb

Vertical Farming ist die Erzeugung von Lebensmittel im Inneren des Gebäudes, in dem Pflanzen in die Vertikale übereinander gestapelt angebaut werden können. Dank dieser Form der Kultivierung wird eine Menge Platz gespart und es müssen keine zusätzlichen Flächen für den Anbau versiegelt werden. Transparente Gebäudehüllen, welche das natürliche Tageslicht optimal nutzen, können mit weniger Energieverbrauch operieren. Neue Bewässerungssysteme und Beleuchtungsmethoden ermöglichen die Lebensmittelproduktion unabhängig der Witterung und erlauben eine ganzjährige Produktion. Zukünftigen Entwicklungen wie das Bevölkerungswachstum und der damit erhöhte Ressourcenverbrauch (Energie, Land, Wasser) mit gleichzeitig schrumpfenden Beständen fossiler Rohstoffe soll damit entgegnet werden.

Bereits in den 1960er Jahren wurden die ersten vertikalen Anbausysteme von dem Österreicher Othmar Ruthner in Wien und Niederösterreich aber auch international errichtet. Heute widmet sich Daniel Podmirseg mit dem vertical farm institute (vfi) in Wien der Erforschung dieses Konzepts und arbeitet gleichzeitig das Archiv der historischen Ruthner Türme auf.

Projektentwicklung unter Einbeziehung der BürgerInnen

Mit dem Projekt wolkenfarm hat St. Pölten die Chance, die erste österreichische Stadt mit einer modernen vertikalen Farm zu werden und fit für die Herausforderungen der Zukunft zu sein. Die Stadt St. Pölten hat für das Projekt drei Gebäude zur näheren Untersuchung zur Verfügung gestellt, diese müssten in den nächsten Jahren einer Bestandssanierung unterzogen werden. Dabei wurden die untersuchten Gebäude auf die Möglichkeiten untersucht, Synergiepotenziale mit der bestehenden Nutzung herzustellen, um deren Energieeffizienz zu erhöhen und den Bestand zu erhalten.

Das größte Potenzial weist hierfür die Polytechnische Schule in St. Pölten auf. Der Bildungsaspekt wurde in die Planung der Schule der vertikalen Farm integriert. Der Lehrplan kann demnach die Potenziale der vertikalen Farm nutzen. Die Miteinbeziehung der BürgerInnen von St. Pölten begann bereits vor dem Planungsbeginn. Im Zuge einer Stakeholderanalyse wurden relevante Akteure zu dem Untersuchungsobjekt ermittelt und einer Zielgruppenbefragung unterzogen. Innerhalb eines Living Labs wurde interaktiv mit den St. PöltnerInnen planungsrelevante Wünsche zusammengetragen.

Abschlusskonferenz und Präsentation der Ergebnisse

Am 30. Oktober war es dann soweit: die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden bei einer abschließenden Konferenz im Klangturm von St. Pölten präsentiert. Alle bereits befragten Stakeholder waren herzlich eingeladen teilzunehmen. Das gesamte Projektkonsortium, Herr Bürgermeister Stadler, ein Expertengremium und MedienvertreterInnen waren anwesend.

Highlight-Projekte,  die die Entwicklung künftiger Vertical Farms bereits unterstützen

Österreich

  • Ponganic & vfi - Schloss Hof
  • Hut & Stiel - die klimaschonende Pilzfarm mitten in Wien
  • SANlight - Die LED-Lösung aus Vorarlberg für hocheffiziente Pflanzenbelichtung
  • Blün - Aquaponic: Fischzucht und Vertical Farming in Wien
  • Herbeus Greens - vitaminreiche Microgreens, aus lokalem vertical Indoor Farming

International

  • Plantagon - Vertical Farming im urbanen Raum (Schweden)
  • Vertical Harvest - Vertical Farming und inklusives Community Building (USA)
  • Sky Greens - weltweit erste hydraulisch betriebene Vertical Farm (Singapur)
  • Aerofarms - 390x produktiver als konventionelle Landwirtschaft (USA)
  • NeoFarms - frisches Gemüse direkt aus der Küche geerntet (Deutschland)
  • Paignton Zoo - VertiCrops - vertikaler Garten in London (UK)

Welchen wirtschaftlichen Impact hat Vertical Farming

In den nächsten Jahren werden diese Agrartechnologien die Lebensmittelbranche neu definieren. Der Markt für Vertical Farming wird für 2022 auf 5,8 Mrd. USD geschätzt, bei einer jährlichen Wachstumsrate von 24,8% (2016-2022), so marketandmarkets.com

Dieses Projekt wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft unterstützt.