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Auf den Spuren der Römer in der Schneckgasse

Im Zuge der Vorarbeiten für ein neues Wohnbau-Projekt von Immobilienentwickler Manfred Wohlmetzberger werden derzeit archäologische Grabungen in der Schneckgasse durchgeführt. Die ersten Ergebnisse wurden bei einem Rundgang präsentiert.
Foto: Josef Vorlaufer © Foto: Josef Vorlaufer
Herausragend bei den archäologischen Grabungen ist eine Grube, die die Skelette von zwei jungen Rindern enthielt.

Außergewöhnliche Menge an Fundstücken

Bisher wurden etwa 550 archäologische Einheiten dokumentiert, aus denen 25 Kartons Fundmaterial geborgen werden konnten. Darunter befanden sich 60 Kleinfunde, etwa zwei Buntmetallfibeln, ein Ohrlöffelchen und mehrere Beinnadeln, die der römischen Kaiserzeit zuzurechnen sind. Ferner wurden bisher 35 Münzen geborgen, die überwiegend in die Spätantike zu datieren sind.
Dem Mittelalter lassen sich vorwiegend Keramikfunde zurechnen, darunter einige komplett erhaltene Gefäße wie Töpfe und Kannen sowie eine Vielzahl von Keramikfragmenten, die sich nach der Reinigung in den Restaurier-Werkstätten der ASINOE GmbH zu Ganzformen zusammensetzen lassen werden.

Innenstadtwohnen wird weiter ausgebaut

Nach Abschluss der archäologischen Arbeiten, die vom Bundesdenkmalamt zwingend vorgeschrieben werden, wird voraussichtlich im Frühjahr 2020 der Baustart für das Wohnbau-Projekt sein. In der Schneckgasse 17 sollen bis Sommer 2021 35 neue Mietwohnungen mit Balkon oder Terrasse entstehen. Die Wohnungen werden zwischen 50 und 80 Quadratmeter groß sein. Immobilienentwickler Manfred Wohlmetzberger steht den archäologischen Grabungen im Rahmen seines Bauprojektes positiv gegenüber. Er hat bereits zahlreiche Projekte in St. Pölten umsetzt, bei denen archäologische Vorarbeiten notwendig waren.

Seit dem 22. Juli arbeitet die Grabungsfirma ASINOE GmbH aus Krems mit rund zehn MitarbeiterInnen auf dem Grundstück Schneckgasse 17 (Ecke Steinergasse). Bisher wurden etwa zwei Drittel des rund 1.200 m² großen Grabungsareals geöffnet. Bereits jetzt, nach erst kurzer Grabungszeit, sind erste Ergebnisse für die Stadtarchäologie fassbar.

Was bisher entdeckt wurde

Schon einen Meter unter dem heutigen Niveau zeigten sich die ersten archäologischen Befunde, die bereits der römischen Kaiserzeit zugerechnet werden können. An Hand der geschotterten Straßenkörper lassen sich zwei Straßen identifizieren, die im rechten Winkel zueinander verlaufen und eine Breite von rund 7 Metern aufweisen. Östlich der Nord-Süd verlaufenden Straße sind ein Estrichfußboden und mehrere als Erdverfärbungen hinterbliebene Fachwerkwände zu erkennen, die zu einem Wohnhaus gehören.
In diese römerzeitlichen Schichtbefunde sind eine Reihe von Gruben und Pfostengruben eingetieft, die mittelalterlich und neuzeitlich datieren und die derzeit im Zentrum der Arbeiten stehen. Unter diesen Objekten sind zwei runde Gruben erwähnenswert, die als Fassgruben identifiziert werden können. Herausragend ist auch eine langrechteckige Grube, die die Skelette von zwei jungen Rindern enthielt. Dieser Fund ist bemerkenswert, weil die Tiere offenbar nicht verwertet wurden, sondern komplett entsorgt wurden.
Weiters konnte eine erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfüllte Latrinengrube, die zahlreiche Medizinfläschchen und teilweise ganze Porzellangefäße enthielt, bearbeitet werden.