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Jens de Buck: Es geht um sparsamen Umgang mit Boden

In diesem Jahr wurde die Stadtentwicklung zu einem eigenen Geschäftsbereich am Magistrat aufgewertet. St. Pölten Konkret sprach mit dem langjährigen Leiter Jens de Buck über „heiße Eisen“, die aktuellen Herausforderungen und die Stadt der Zukunft.
Stadtplaner DI Jens de Buck und Chefredakteur Mag. Michael Koppensteiner sitzen bei einem Tisch.(Foto: Josef Vorlaufer).
Stadtplaner DI Jens de Buck im Gespräch mit Chefredakteur Mag. Michael Koppensteiner.(Foto: Josef Vorlaufer).

St. Pölten Konkret: Stadt- und Raumplaner sprechen sich gegen die Zersiedelung der Städte aus. Warum ist eine effizientere Nutzung innerstädtischer Flächen so wichtig?
Jens de Buck: Es geht letztlich um einen sparsamen Umgang mit Boden. Es geht aber auch um eine effiziente Nutzung der vorhandenen Infrastruktur – vom städtischen Busnetz, über Radwege, aber auch die technische Infrastruktur, wie Straßen, Kanal oder Fernwärme. Das alles ist im Kernbereich einer Stadt vorhanden und bringt auch eine Kostenersparnis für die Wohnbevölkerung. Bis hin zur sozialen Infrastruktur – von Kindergärten und Schulen über Nahversorgung und Kulturangebot. Die „Entwicklung nach innen“ vor der „Entwicklung nach außen“ ist im Stadtentwicklungskonzept klar festgeschrieben.

Gleichzeitig braucht es Grünraume und eine entsprechende Aufenthaltsqualität. Wie kann hier die Balance gehalten werden?
St. Pölten ist hier in einer sehr guten Ausgangslage. Die Stadt hat mit 108 Quadratkilometern eine große Flächenausdehnung und setzt sich aus einer Vielzahl ehemals gewachsener Dorfstrukturen zusammen. Es ist uns wichtig, die Eigenheiten dieser Strukturen abzusichern, damit Charakter, Struktur und Erscheinungsbild langfristig erhalten bleiben. Auf der anderen Seite gilt es, im Kernbereich der Stadt die Entwicklungen zu steuern. Wir achten hier auch darauf, dass beim Thema Grünraum die entsprechenden Planungsgrundlagen geschaffen werden. Wohnungsnah müssen Naherholungsmöglichkeiten vorhanden sein. Ganz wichtig ist hier der dauerhafte Erhalt des Grünraumes, zum Beispiel entlang der Traisen.

Durch die langgezogene Stadtausdehnung hat es die Bevölkerung von nirgendwo weit zur Traisen. Darüber hinaus gibt es aber auch Bestrebungen, in dicht verbauten Bereichen neue Grünräume zu schaffen – Stichwort Sturm 19 Park.
Im Norden der Kernstadt haben wir eine hohe Bevölkerungsdichte und hier ist es wichtig, entsprechende Grünräume zu sichern und neue zu schaffen – wie aktuell den Sturm 19 Park. Es geht uns darum, diesen Raum für die gesamte Bevölkerung zu öffnen und mit ihr zu entwickeln.

Stichwort BürgerInnen-Beteiligung. Auch der Promenadenring soll völlig neugestaltet werden. Wie soll die Promenade in Zukunft aussehen?
Wie sie aussehen wird, hängt natürlich vom Wettbewerb und von den Wünschen der BürgerInnen ab. Es geht um die klare Verbesserung der Situation für Fußgänger, Radfahrer und für den öffentlichen Verkehr. Es wird eine neue Aufenthaltsqualität geschaffen – mit Erholungszonen, Grünraum und Spielbereichen. Bei den bestehenden Alleebäumen sieht man, dass durch die Versiegelung und Versalzung im Winter die Bäume aktuell keine Chance haben alt zu werden.

Sie haben die Planungsgrundlagen angesprochen. Als Landeshauptstadt hat St. Pölten konstant ein zartes Wachstum von 0,6 bis 1 Prozent. Wie ist die Stadtplanung darauf vorbereitet?
An erster Stelle steht das Stadtentwicklungskonzept, das wurde 2017 neu erarbeitet und gibt die Zielsetzungen und Entwicklungsrichtungen vor. Darauf aufbauend regelt der Flächenwidmungsplan wo und der Bebauungsplan wie gebaut werden soll. Schon zuvor wurden ein Landschafts- und Grünraumkonzept sowie das Generalverkehrs- und ein klimaschutzoptimiertes Siedlungskonzept erarbeitet. All diese Konzepte, sowie die Zielsetzungen anderer Abteilungen, sind im Stadtentwicklungskonzept aufgegangen. Das ist gute Grundlage für die kommenden Jahre.

Was beeinflusst das Wachstum einer Stadt?
Die Standortqualität. Nach der Landeshauptstadtwerdung und den damit verbundenen Funktionserweiterungen wirkte sich in der vergangenen Dekade vor allem die deutlich verbesserte öffentliche Verkehrsanbindung nach Wien und Linz positiv aus. Vom Zentrum St. Pöltens ins Zentrum Wiens in nur 25 Minuten, das schafft man mit dem Auto nie. Ab 2013 war es dann gut zu beobachten, dass wir für Bauträger, aber auch als Wohnstandort interessanter geworden sind.

Wenn man sich die zahlreichen Projekte der Stadtplanung ansieht, wird klar, warum die Stadtplanung der Stadt zu einer eigenen Abteilung gemacht wurde.
Ich bin seit 20 Jahren bei der Stadt und kann bestätigen, dass die Aufgabenbereiche in der Stadtplanung vielfältiger geworden sind – nicht zuletzt aufgrund der positiven Entwicklung der Stadt in allen Bereichen. Auch die Verkehrsplanung wurde zuletzt aufgewertet. Hinzu kommt der gesamte Öffentliche Verkehr – also die Weiterentwicklung unseres LUP-Stadtbusses. Dazugekommen ist auch die Koordination der Nutzung des Öffentlichen Raumes – von der Möblierung bis hin zu unterschiedlichen Nutzungen. Hier wird eine zentrale Anlaufstelle entwickelt. Der Geschäftsbereich Stadtentwicklung wird abgerundet durch die Abteilungen Kataster & Grundeinlösen sowie GIS – Geographisches Informationssystem.

Sie haben den Öffentlichen Verkehr angesprochen. Wie wird sich das Angebot entwickeln?
Aktuell ist die Ausdehnung der Betriebszeiten in den Abendstunden in Vorbereitung. Ich erachte das für einen zentralen Schritt. Ein Angebot, das der Funktion St. Pöltens als Landeshauptstadt gerecht wird. Die aktuelle Bevölkerungsentwicklung wird eine entsprechende Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs nach sich ziehen müssen – auch im Zentralraum.

Der Öffentliche Verkehr im Zentralraum ist Aufgabe des Bundeslandes – täuscht hier der Eindruck, dass Niederösterreich als Flächenbundesland etwas auf der Bremse steht?
Man muss schon anerkennen, dass in den letzten Jahren viele positive Schritte gesetzt wurden. Insbesondere auf der Nord-Süd-Achse haben Taktverdichtungen stattgefunden, Betriebszeiten und das Angebot auf der Westbahnachse wurden ausgeweitet. Nichtsdestotrotz zeigen uns Bundesländer wie Oberösterreich, Steiermark oder auch Vorarlberg durch die Einführung eines S-Bahnnetzes, wie erfolgreich ein solches System durch eine eigene Dachmarke sein kann. Wir sehen hier noch einiges Potential.

Ein weiterer Bereich sind die Radwege. Das Netz wird kontinuierlich erweitert, dennoch fehlen Lückenschlüsse. Wie sehen Sie als passionierter Radfahrer die Situation?
Ich sehe die positive Entwicklung der letzten Jahre und auch weiteres Ausbaupotential. Es ist uns bewusst, dass zusätzliche Investitionen in den Radverkehr zu einer steigenden Attraktivität beitragen. Die Stadt bietet dafür sehr gute Voraussetzungen. Entlang der Traisen ergibt sich schon natürlich ein innerstädtischer Radschnellweg. Im Siedlungsgebiet gibt es da und dort noch Lücken, die wir sukzessive schließen möchten. Allerdings stoßen wir da auch immer wieder an die Grenzen vorhandener Flächen und müssen die unterschiedlichen Nutzungsinteressen abwägen und ausgleichen. Wir sehen, der Radverkehr nimmt erfreulicherweise zu. Ebenso die Nutzer von Nextbike, dem Fahrrad-Ausleihsystem, das wir gemeinsam mit dem Land permanent ausbauen.

Der Wunsch nach einem Baubeirat wurde nun umgesetzt – der sogenannte „Gestaltungsbeirat für Baukultur“ hat seine Arbeit aufgenommen. Was sind die Kernaufgaben?
Der Beirat soll die Stadt hinsichtlich ihrer baulichen Qualität unterstützen. Bauwerke, die die Identität der Stadt ausmachen, sollen erhalten bleiben. Der Beirat wird hier einen entscheidenden Beitrag leisten, ortsbildrelevante Projekte größeren Ausmaßes hinsichtlich ihrer städtebaulichen Qualität zu beurteilen. Es gibt viele Städte in Österreich, die sehr gute Erfahrungen mit derartigen Gestaltungsbeiräten gemacht haben.

Wenn Sie die Augen schließen – wie sieht das St. Pölten der Zukunft aus?
Neue Projekte werden vorrangig dort entstehen, wo es um die Nachnutzung alter Strukturen und Brachflächen geht – wie zum Beispiel am ehemaligen Glanzstoff-Areal in bester innerstädtischer Lage. Auch wenn man sich das beispielgebende Projekt des ÖBB Bildungscampus im Süden der Stadt ansieht, wird deutlich, wie gewachsene Strukturen durch neue Funktionen verbessert werden können. Ein stadtverträgliches Wachstum unter Erhalt der St. Pöltner Identität mit seiner Vielfalt in den Stadtteilen läßt mich optimistisch in die Zukunft schauen. Dabei spielt die Sicherung der Lebensqualität in unserer Stadt, auch durch die vorausschauende Planung von multifunktionalen Grünräumen zur wohnortnahen Erholung, eine zentrale Rolle. Ob im Bereich eines Naturparks um Völtendorf oder eines neuen „Südsees“, der im Zusammenhang mit notwendigen Hochwasserschutzmaßnahmen untersucht werden wird. Eine Vielzahl spannender Projekte wird uns auch in den nächsten Jahren begleiten.sk01 06 Interview Jens de Buck final

Die Aufgaben der Stadtplanung sind in den letzten 20 Jahren vielfältiger geworden, daher die Aufwertung der Stadtentwicklung zu einem eigenen Geschäftsbereich.

Was macht Jens de Buck privat?
Ich reise sehr gern, wandernd, als begeisterter regelmäßiger Radfahrer oder auch Abseits meiner beruflichen Tätigkeit als an Stadtentwicklung und -planung Interessierter im In- und Ausland. Daneben bin ich seit meiner Jugend begeisterter Chorsänger, und konnte so in den vergangenen Jahren den NÖ Alpenlandchor kräftig unterstützen. In der Freizeit steht die Familie im Mittelpunkt, aber auch ein breiter Freundeskreis, der uns als „Zugezogenen“ St. Pölten zur neuen Heimat gemacht hat. Sollte dann noch Zeit bleiben, lese ich gern und genieße das breite Kulturangebot unserer Stadt und des Umlandes.

Zur Person: DI Jens de Buck, geboren am 11.06.1969 in Dresden

Berufserfahrung:
1988 Arbeitsjahr zur Studienvorbereitung
Stadtverwaltung Dresden (Tiefbauamt)
1991 Praktikum im Stadtplanungsamt Reutlingen
1991-1994 Stadtplanungsamt Pirna
1995-1997 Planungsbüro “Sigma Plan” Weimar, Plauen, Linz
1998 Stadtplaner im Stadtplanungsamt Staßfurt (Deutschland)
1998-2001 Stadt- und Raumplaner im Architekturbüro “Englmair” Linz
Seit 2001 Stadtplaner Magistrat St. Pölten
Seit 2020 Leiter der Abteilung Stadtentwicklung

Ausbildung:
1976 50. Polytechnische Oberschule Dresden
Ausbildung: 10 klassige Oberschule
1986 Erweiterte Oberschule „Kreuzschule“ Dresden
Ausbildung: Abitur
1989-1995 Studium der Stadt-, Regional- und Raumplanung an der
Hochschule für Architektur und Bauwesen (Bauhausuniversität) Weimar
Ausbildung: Diplomingenieur
1992/1993 Studium an der Technische Universität Graz
Architektur und Bauingenieurwesen

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