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Die Helden der Krise

Am 12. März beschließt der Nationalrat das öffentliche Leben in Österreich auf ein Minimum herunterzufahren. Geschäfte, die nicht der Grundversorgung dienen, Schulen und die Gastronomie werden geschlossen. Die Bevölkerung wird aufgefordert die eigenen vier Wände nur dann zu verlassen, wenn es unbedingt notwendig ist.

Andreas Hippmann ist seit 2008 für den St. Pöltner Magistrat beruflich tätig. Die Arbeit bei der Abfallwirtschaft führt er mit Freude aus. Vor einigen Jahren machte er einen Wechsel in die Bauabteilung des Magistrats, doch schnell wurde ihm klar, dass er lieber wieder seinen alten Job zurück haben möchte. (Foto: Arman Behpournia)
Andreas Hippmann ist seit 2008 für den St. Pöltner Magistrat beruflich tätig. Die Arbeit bei der Abfallwirtschaft führt er mit Freude aus. Vor einigen Jahren machte er einen Wechsel in die Bauabteilung des Magistrats, doch schnell wurde ihm klar, dass er lieber wieder seinen alten Job zurück haben möchte. (Foto: Arman Behpournia)

Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, welch wertvollen Dienst unzählige Menschen in Österreich für unser aller Dasein leisten. Sie sind unsere Helden der Krise. Menschen, die dafür sorgen, dass die Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Abfallwirtschaft, die Schulen, Kindergärten und viele weitere Bereiche unserer Grundversorgung in der größten Krise der zweiten Republik gesichert sind.

„Man merkt ein Umdenken bei den Menschen.“

Die ersten Sonnenstrahlen lassen den Horizont in feuerrotem Licht aufstrahlen und neben dem leisen Rauschen der Tankstellenpumpe ist nur der Morgengesang der Vögel zu hören. Die Uhr steht auf 5.20 Uhr frühmorgens. Andreas Hippmann, Mitarbeiter der städtischen Abfallwirtschaft, tankt am Wirtschaftshof der Stadt St. Pölten gerade seinen Müllwagen auf. So beginnt meistens sein Arbeitstag.

Der 31-Jährige ist einer der 360 städtischen Mitarbeiter, die jeden Tag im Einsatz sind, damit wichtige Teile unserer Daseinsvorsorge auch während der Corona-Krise reibungslos weiterlaufen. Andreas Hippmann will sich selber aber nicht als Held bezeichnen: „Ob die Krise jetzt gekommen wäre oder nicht, ich mache meine Arbeit.“ Auf seiner Route beginnend in Ober- und Unterzwischenbrunn über die Pottenbrunner Bahnhofsiedlung bis nach Ratzersdorf, entleert der Fahrer mit seinen beiden Kollegen 527 Mülltonnen, dabei werden rund 12.100 kg Restmüll abgeholt. Der Familienvater bemerkt jedoch, dass innerhalb der Bevölkerung die Wertschätzung für ihn und seine Tätigkeit bei der Abfallwirtschaft gestiegen ist: „Die Leute sind einfach freundlicher, man merkt schon ein Umdenken bei den Menschen. So wie es jetzt ist, sollte es auch nach der Krise bleiben.“ Um 14 Uhr ist Dienstschluss, dann geht es ab nach Hause. „Dort bleibe ich dann auch den restlichen Tag, außer zum Einkaufen verlassen wir das Haus nicht,“ erzählt der Mitarbeiter der St. Pöltner Abfallwirtschaft.

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Rund 80 Kilometer lang ist die Route, auf der Andreas Hippmann mit seinem Müllwagen täglich unterwegs ist.

Das virtuelle Jugendzentrum für die Krisenzeit 

Kein Lachen, kein Klackern der Billardkugeln, kein Sound vom DJ-Kammerl, kein leises Surren der Skateboardrollen.
Ungewöhnlich ruhig war's in den letzten Wochen in der Herzogenburgerstraße 20 – Standort vom Jugendzentrum „Steppenwolf“. Kein Wunder, denn das Jugendzentrum musste sich natürlich auch an die Regelungen der Bundesregierung zur Bekämpfung des Corona-Virus halten und hatte somit seit Anfang März keinen „Offenen Betrieb“ mehr.

Doch der Kontakt mit den Sozialarbeitern des Jugendzentrums ist für viele Jugendliche enorm wichtig, besonders für Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Viele haben zu den Betreuerinnen und Betreuern im Steppenwolf eine Vertrauensbasis aufgebaut und teilen ihre Probleme mit den SozialarbeiterInnen.

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Das Team des Jugendzentrums Steppenwolf ist für die Jugendlichen über Videotelefonie erreichbar.

„Wir sind präsent, auch wenn die anderen zu haben.“

Damit dieses Vertrauen durch den persönlichen Kontaktverlust nicht verloren geht, hat das Jugendzentrum seinen Onlineauftritt erweitert und in den letzten Wochen ein virtuelles Jugendzentrum aufgebaut. Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig weiterhin für die Jugendlichen da zu sein – die Beratungs- und Informationsangebote aufrecht zu halten. „Ich sage immer, wir müssen offen haben, wenn die anderen zu haben, daher haben wir auch die Präsenz online verstärkt. Wir sind präsent, auch wenn die anderen zu haben“, so Barbara Obernigg, Leiterin des Jugendzentrums.

Als wahre Helden bezeichnet die diplomierte Sozialarbeiterin jedoch zwei Personen, die das Jugendzentrum tatkräftige bei der Entwicklung ihrer Online-Kanäle unterstützen. Die Illustratorin und Mediendesignerin Jana Königskind und der online Marketing-Experte Hermann Rauschmayr liefern nicht nur hilfreiche Inputs, sondern auch professionelle Designs für den Steppenwolf. Ihre Dienste stellen die beiden Experten, kostenlos zur Verfügung, da sie wegen der Corona-Krise weniger Aufträge erhalten und ihre Arbeitskraft für wohltätige Zwecke einsetzen wollen.

Der persönliche Kontakt

Doch der Steppenwolf ist nicht nur online erreichbar. Jeden Tag von 15 bis 17 Uhr ist ein Steppi-Team-Mitglied im Jugendzentrum für dringende Anliegen da. Über ein Bürofenster (natürlich mit ausreichend Sicherheits-Abstand und Mund-Nasen-Schutz) gibt es die Möglichkeit für eine Beratung vor Ort, und auch dieses Angebot findet regen Zulauf. „Täglich kommen Jugendliche zu unserem Fenster, weil sie Unterstützung suchen,“ erzählt uns Barbara Obernigg.

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Am Tag unseres Besuchs im Steppenwolf hat die Leiterin des Jugendzentrums Barbara Obernigg Fenster-Dienst. Zwei Stunden am Tag sind die Sozialarbeiter für die Jugendlichen für einen persönlichen Kontakt am Fenster erreichbar.

Die freiwilligen Helden

Während Tausende durch ihren Beruf heldenhafte Leistungen für die Allgemeinheit erbringen, sind auch unzählige freiwillige Helfer unterwegs, um ihren Mitmenschen in schwierigen Zeiten zur Seite zu stehen. Einer von ihnen ist der Musiker Harry Stöckl. Durch einen Freund hat er erfahren, dass der St. Pöltner Magistrat freiwillige Helfer sucht. „Ich bin irgendwie so ein Typ, ich kann irgendwie nicht anders. Ich komme mir blöd vor, wenn ich Zuhause sitze und weiß, dass es da alte Leute gibt, die nicht einmal raus dürfen,“ begründet der Musiklehrer seine Motivation, Hilfe zu leisten. Im Zuge seiner freiwilligen Tätigkeit städtischen Projekt „Essen auf Rädern“ beliefert er Menschen, die zur Corona-Risikogruppe zählen und das Haus nicht verlassen sollen, mit Lebensmittel. „Wie ist das“, fragen wir ihn, „geht man abends mit einem besseren Gefühl ins Bett, wenn man weiß, dass man etwas Wichtiges für die Allgemeinheit geleistet hat?“ Seine Antwort: „Ich glaube ich würde eher mit einem anderen Gefühl ins Bett gehen, wenn ich nichts gemacht hätte.“

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Bei der Lebensmittelauslieferung ist Harry Stöckl (hier im Bild mit Schutzmaske) mit seinen Freunden Sebastian (rechts) und Stephan (links) unterwegs.

Der soziale Musiker

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der studierte Gitarrist Harry Stöckl sozial engagiert. Immer wieder organisiert er mit seiner Band „Rage/Aid“ Benefizkonzerte und spendet das Geld an Bedürftige oder soziale Einrichtungen. Sein aktuellstes Projekt, eine Benefizveranstaltung für das St. Pöltner Frauenhaus, musste jedoch wegen der Corona-Krise abgesagt werden.

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Der Musiker Harry Stöckl setzt sich nicht nur in der Corona-Krise für Hilfsbedürftige ein. Mit seiner Band „Rage/Aid“ tritt Stöckl oft bei Benefizkonzerten auf, um Spenden für verschiedene soziale Einrichtungen zu sammeln. (Foto: Thomas Schnabl)

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