Domplatz-Archäologie wird 2019 abgeschlossen

Die archäologischen Ausgrabungen am Domplatz gehen heuer in die letzte Saison und sollen bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Damit hat die Stadt St. Pölten die gesetzlich zwingend vorgeschriebene archäologische Erkundung des Untergrundes für die Neugestaltung des Domplatzes erfüllt. Das Bundesdenkmalamt unterstreicht die Notwendigkeit und die große internationale Bedeutung der Grabungen.

Stadtmuseum St. Pölten © Stadtmuseum St. Pölten
Sensationelle Entdeckung am Domplatz im Jahr 2018: Reste römischer Fußbodenheizungen eines großen spätantiken Verwaltungspalastes, der Sitz des Statthalters von Noricum ripense war (4. Jahrhundert n. Chr.), rechts im Bild Kanal aus dem beginnenden 19. Jahrhundert, sowie das Betonfundament des Dollfußdenkmales.

In der Sitzung des Gemeinderates sollen heute die finanziellen Mittel in der Höhe von 1.235.600 Euro für die letzte Saison der archäologischen Grabungen am Domplatz beschlossen werden.

Bundesdenkmalamt erklärt Notwendigkeit und lobt
Im Unterschutzstellungsbescheid hat das Bundesdenkmalamt festgestellt, dass „den römerzeitlichen und mittelalterlichen Bauresten sowie dem mittelalterlichen Friedhof am Domplatz von St. Pölten eine nicht nur stadthistorische, sondern auch überregionale geschichtliche und kulturelle Bedeutung zukommt“. Damit wurde das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Denkmals im Sinne des Denkmalschutzgesetzes (= DMSG, Bundesgesetz vom 25.09.1923, BGBl. Nr. 533/1923, in der Fassung BGBl. I Nr. 92/2013) ausgesprochen.
Denkmalschutz bezweckt an erster Stelle die Bewahrung des Denkmals in seiner Substanz als Zeugnis der Vergangenheit. Veränderungen oder Zerstörungen eines Denkmales sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Unumgängliche Eingriffe in ein Bodendenkmal (= archäologisches Denkmal), wie sie am St. Pöltner Domplatz durch die geplante Platzgestaltung bedingt waren, erfordern Ersatzmaßnahmen und bedürfen der Bewilligung des Bundesdenkmalamtes nach § 5 DMSG.
Diese Ersatzmaßnehmen bestehen in der Durchführung von archäologischen Grabungen, der Dokumentation aller Befunde und Funde nach den „Richtlinien für archäologische Maßnahmen“ des Bundesdenkmalamtes (http://www.bda.at/documents/759516996.pdf), der Erfassung, Konservierung und Bewahrung der beweglichen Teile des Bodendenkmals (=der archäologischen Funde), die nach wie vor unter Denkmalschutz stehen. Nur bei Einhaltung der genannten, für alle Antragsteller geleichermaßen geltenden Rahmenbedingungen kann eine Bewilligung nach § 5 erteilt und weiters eine Bewilligung nach §11 Denkmalschutzgesetz (Grabungsgenehmigung) für die Durchführung der archäologischen Ersatzmaßnahme erteilt werden. Die Beauftragung und Finanzierung derartiger Ersatzmaßnahmen liegt beim jeweiligen Verursacher bzw. Bauherrn.

Die Grabungen am Domplatz St. Pölten erbringen einzigartige Erkenntnisse bezüglich der römischen und mittelalterlichen Siedlungsgeschichte St. Pöltens. Neben der einzigartigen spätantiken Badeanlage ist die älteste frühmittelalterliche Kirche auf niederösterreichischem Boden besonders hervorzuheben. Diese Baukörper stellen archäologische Denkmale von nicht nur gesamtösterreichischem, sondern sogar europäischem Rang dar. Die weitere Erhaltung dieses einzigartigen und über Jahrhunderte organisch gewachsenen Ensembles von Gebäuden auch für zukünftige Generationen liegt im öffentlichen Interesse.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde St. Pölten und ihren Organen und mit den ausführenden Archäolog/innen hat aus Sicht des Bundesdenkmalamtes bestens funktioniert. Durch die konsequente Umsetzung und denkmalpflegerische Abstimmung der archäologischen Untersuchungen konnte ein hochbedeutendes archäologisches und kulturelles Erbe erschlossen und bewahrt werden, wobei auch den Notwendigkeiten der Neugestaltung des Domplatzes und der Modernisierung seiner Infrastruktur Rechnung getragen wurde.

Alte Einbauten, sanierungsbedürftige Oberfläche
„Auslöser für die archäologischen Grabungen waren einerseits die veralteten Einbauten, die Wasserleitung und der Kanal sind etwa 100 Jahre alt aber auch andere Einbauten, wie Gas, IT-Leitungen und Fernwärme müssen für die Versorgungssicherheit der Häuser in der Innenstadt unbedingt erneuert werden und andererseits die notwendige Sanierung der äußerst desolaten Oberfläche des Domplatzes, die mangels eines entsprechenden Unterbaus auch nicht zu sanieren war“, erinnert Bürgermeister Mag. Matthias Stadler. In den Jahrzehnten davor wurde das „Domplatzprojekt“ immer wieder aufgeschoben, weil bewusst war, dass es hohe Kosten verursachen wird. Seit 2008 wird nun intensiv an den Vorarbeiten für die Neugestaltung gearbeitet und die Einbauten wurden bzw. werden erneuert. „Mit einer derart langen Dauer konnte man im Vorfeld nicht wirklich rechnen. Im Nachhinein gesehen ist es aber ein Glücksfall, dass wir so zeitig begonnen haben, denn wären wir nicht schon so weit, könnten wir den Domplatz, sollten wir den Zuschlag als europäische Kulturhauptstadt 2024 bekommen, nicht mehr rechtzeitig fertigstellen“, sagt Stadler

Es wäre nicht schneller gegangen
Insgesamt haben die Vorarbeiten für den Domplatz bisher 8,6 Mio. Euro gekostet, darin sind die archäologischen Grabungen, Planungen, Erd- und Straßenbau und Personalkosten der letzten neun Jahre enthalten.
Eine raschere Abwicklung der Grabungen wäre technisch nicht möglich und auch gar nicht sinnvoll gewesen: Es hätte nämlich der Domplatz zur Gänze für längere Zeit gesperrt werden müssen und darüber hinaus wäre gar nicht so viel archäologische Fachpersonal zu bekommen gewesen, um die Grabungen gesetzeskonform durchführen zu können.
„Die gewählte Vorgehensweise war daher die einzig richtige und wir haben damit den Vorteil, dass die Einbauten erneuert werden, der Domplatz nachhaltig neu gestaltet werden kann und wir mit den gewonnen archäologischen Erkenntnissen international punkten“, zieht Stadler das Resümee.

\r\n