Auftakt zur Herbstsaison auf den Bühnen St. Pöltens

Nach ihrer wohlverdienten Sommerpause oder einer spannenden Open-Air-Saison starten im Herbst St. Pöltens Bühnen wieder voll durch. In der Bühne im Hof, im Landestheater und im Festspielhaus gibt es wieder zahlreiche Highlights. Aber auch im VAZ geht es nach der Outdoor-Saison in den Hallen weiter.
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The Tiger Lilies kehren am 4. November nach 15 Jahren zurück in die Bühne im Hof.

Helden und Antihelden

Große Kunst und Kult erwartet die BesucherInnen zudem beim Konzert am 4. November. Da kommen nämlich gewisse „The Tiger Lilies“ in die Bühne im Hof auf Besuch und sind somit Wiederkehrer, gastierte die Kultband doch bereits anno 2004 im Musentempel und sorgte für Furore und vor allem den unbändigen Wunsch, dass sie wiederkommen mögen. 15 Jahre später ist es endlich soweit, und einmal mehr lässt die Band, die heuer im Übrigen ihr 30 jähriges Jubiläum feiert, ihr irrwitziges Arsenal an Helden bzw. Antihelden aufmarschieren und zeichnet in ihren dunkel-komischen Liedern eine Welt, wo Zuhälter, Prostituierte, Totschläger, Zoophile, depressive Zirkusclowns, Drogensüchtige oder Brandstifter zu romantische Helden mutieren.

Große Emotionen

Märchenhaft wird der diesjährige Auftakt im Festspielhaus St. Pölten. So gastiert am 5. und 6. Oktober Les Ballets de Monte Carlo, das – live begleitet vom Tonkünstler Orchester Niederösterreich – Sergej Prokofjews „Cinderella“ tanzt. Choreograf Jean-Christophe Maillot hat in seiner lebhaften, von der Presse umjubelten Interpretation des Märchens den Fokus weniger auf glitzernde Schuhe, verzauberte Kürbisse und umwerfende Kleider, sondern insbesondere die Gefühlswelt der Titelheldin gelegt.

Spannung ohne Ende

Mit Titan Friedrich Schiller startet das Landestheater – in Koproduktion mit dem Stadttheater Klagenfurt – am 12. September in die neue Saison. Freilich begegnet uns nicht der klassisch-strenge Schiller oder der revolutionäre der Sturm und Drang Periode, sondern der eher seltene Komödiendichter, der sich freilich auch in diesem Genre als genialer Dramatiker und Meister des Spannungsaufbaus erweist. In „Der Parasit“ legt Schiller die Winkelzüge von Monsieur Selicour offen, der sich im Kabinett des Ministers Narbonne, durchaus auf Kosten der Kollegen bzw. sich mit deren Federn schmückend, anbiedert und nach oben arbeiten möchte … ein schleimig-fieser Karrierist, wie er in jedem größeren Büro anzutreffen ist. Schiller liefert ein furioses Lustspiel, im Zuge dessen er die Mechanismen von Manipulation und Macht offenlegt. Ob Selicour damit durchkommt und gar die Hand von des Ministers Tochter erhält?

Noch mehr Raum im VAZ

Das Restaurant samt neuer Toilettenanlagen wurde ja bereits eröffnet, mit dem Frequency folgte der neue Foyerbereich mit neuen Garderoben und neuer Ticketingsituation, und mit 25. Oktober erlebt auch der neue Bühnenturm der Halle B beim Kronehit Beatpatrol Festival powered by Raiffeisen Club seine Feuertaufe. Schon jetzt ist das Beatpatrol Österreichs größtes Indoor Festival, durch den Zubau wird es sozusagen noch weiter wachsen – das kommt heuer auch gerade recht, fällt das Line Up doch unter die Kategorie superlativ: So wird etwa Parov Stelar, Pionier des Electroswing und österreichischer Superstar, erstmals beim Beatpatrol Festival performen, oder auch Robin Schulz, der als wahre Hitfabrik gilt. Weiters dürfen sich die Fans aller Arten von Electronic Music auf Slander, Hardstyle-Ikone Brennan Heart, D’n’Bass Legende Andy C, Sub Sonik u.v.m. freuen.

Abwechslung im Herbst

Bevor der Dancefloor geflutet wird, lädt der Lions Club St. Pölten am 6. und 7. September wieder zu seinem traditionellen Flohmarkt: Der Reinerlös kommt karitativen Zwecken zugute.
Insbesondere die Damenwelt kann sich schon den 5. Oktober rot markieren. An diesem Tag gastieren einmal mehr die berühmtesten Männerstripper der Welt im VAZ St. Pölten, The Chippendales directly aus Las Vegas. Ihr Programm ist dabei programmatisch zu verstehen: Let’s Misbehave!
Bella Italia ist das Motto am 18. Oktober, wenn wieder Insieme die Bühne entern und zur italienischen Nacht laden. Spätestens seitdem Monika Ballwein, Christian Deix, Erik Arno und René Velzquez-Diaz vor zwei Jahren das Publikum im VAZ St. Pölten improvisatorisch bis zum Auftritt des verspäteten Italo-Superstars Umberto Tozzi unterhielten und begeisterten, zählen sie zu absoluten Publikumslieblingen der Stadt. Kein Wunder, versprühen Insieme doch Italo-Feeling pur und zaubern mit Hadern wie Azzurro, Ti Amo, Volare, That’s Amore und vielen anderen Italohits Sonnenschein, Meeresrauschen und den Geruch von frischer Pizza und Sonnencreme in die Herzen der Fans.
Auch einige neue Acts sind im Programm hinzugekommen: So wurde, nach seinem erstmaligen Auftritt im Vorjahr, der Londoner Kultkomiker und Jazzmusiker Earl Okin für einen Auftritt am 6. November gewonnen – britischer Humor trifft Attitude und Jazz vom Feinsten.

Vom West End nach St. Pölten

Dem erfolgreichsten Musical-Komponisten aller Zeiten, Andrew Lloyd Webber, ist eine Gala am 4. Februar 2020 gewidmet, direkt vom Londoner West End. Die fünf Gesangssolisten und 10 singenden und tanzenden Musicaldarsteller sowie ein 14-köpfiges Orchester entführen in die Welt von Phantom der Oper, Cats, Jesus Christ Superstar, Evita, Sunset Boulevard, Starlight Express u.v.m.
Und dies sind nur ein paar Splitter aus einem abwechslungsreichem Programm, das u. a. mit Conni – Das Schulmusical am 1.11., Monika Ballwein celebrates The Beatles am 14.11., Pop-Rocklegende Albert Hammond, dessen Songs sich über 300 Millionen (!) mal verkauften, am 15. November, Michael Scheruga am 21.11., den Amigos am 22.11., Lisbeth Bischoffs multimedialer Hommage „Udo Jürgens – unvergessen!“ am 28.11., Harry Prünster am 11. Dezember oder Kinderliedermacher Bernhard Fibich am 14. Dezember aufwartet.

Einen Abschied gleich zu Saisonbeginn gibt es in der Bühne im Hof. So sagen die Dornrosen am 19. September zum Abschied gar nicht leise Servus und kredenzen ein Best Of aus den letzten 20 Jahren und zehn Programmen. Fulminant und zwar der Auftakt zum Dornröschenschlaf, nicht aber das Ende der Zusammenarbeit der drei Schwestern … so viel haben sie den verschreckten Fans bereits verraten.

Noch zwei weitere Herbst-Highlights in der Bühne im Hof seien vor den Vorhang gebeten. Am 26. Oktober gibt sich Irmgard Knef ein Stell-Dich-Ein. Ja, Irmgard, nicht Hildegard – Sie haben schon richtig gehört. Das ist die 90-jährige Schwester, also eigentlich die fiktive Schwester - und eigentlich steckt auch ein Mann dahinter, nämlich Ulrich Michael Heissig – nur der ist eben ganz und gar Irmgard und die ist schlicht Kult, wie auch Udo Badelt im Tagesspielgel urteilte „Wie sich diese Irmgard, tattrig zwar, doch mit Feuer in den Augen, aus dem Sofa stemmt, wie die Stimme knarzt und schleppt, als würde sie einen Sack aus Wörtern hinter sich herziehen und dabei die Vokale übers Pflaster holpern lassen: große Kunst!“